39
springt auf einmal ein junger deutscher Dramatiker undTragiker auf die lebendige Bühne, wie die Nation nochkeinen gesehen, keck und jugendlich unbändig und dochschon — als Dramatiker und Tragiker — mit einer künst-lerischen Reife und Sicherheit angethan, die ihresgleichensucht. Seit den „Räubern" hat die deutsche Nation einenTragiker, der es ist vom Wirbel bis zur Zehe und der mitden großen Tragikern aller andern Nationen es kecklichaufnehmen kann.
Das landläufige Urteil über die „Räuber" lautet freilichetwas anders: ein zwar geniales, aber doch wildes, rohes,unreifes Jugendwerk, das zwar viel verspreche, das manaber eigentlich vor seinen eigenen Wüstheiten zuerst ent-schuldigen müsse, ehe man es unter den Werken des KlassikersSchiller mit gelten lassen könne — und so weiter! Jawohl: es ist vieles in den „Räubern" wild, roh, unreif,wüst, geschmacklos sogar und unwahr — und keiner hatdas schärfer kritisch hervorgehoben als Schiller selbst —aber damit ist noch gar nichts gesagt, das trifft nur dieSchale, nicht den Kern. Das trifft kaum je die Bildungder Charaktere und die dramatische Handlung, das haftetmehr nur an Einzelheiten der Sprache und Ausdrucksweise— und auch das ist nicht halb so schlimm, wie die literarischeSchnltradition zu behaupten pflegt. Vielmehr — sobaldman eine verhältnißmäßig geringe Anzahl von Ausdrückenund Wendungen auf sich beruhen läßt, als Ausbruch jugend-licher Kraftüberfülle, Gefühlsüberschwenglichkeit oder nochnicht genügend gemäßigten Geschmacks in Gottes Namenmit drein nimmt — sobald man mit andern Worten auchdie berüchtigte Sprache der „Räuber" auf ihren eigentlichen