Zehntes Kapitel.
Gell. — DernetrUus. — ScHbuß.
Noch ein Schauspiel und ein verheißungsvolles Tragö-dienfragment — und Schiller läßt die Feder fallen. Esist ein seltsamer Ausgang: der Tragiker Schiller hat seine,einen Augenblick ins Unsichere gekommene, Kraft mit der„Braut von Messina" in einer Weise wieder gesammelt, daßer selbst und Goethe bei der Bühnenaufführnng des Werkesden Eindruck hatten, sie sehen zum erstenmal eine „wahreTragödie"; und es ist und bleibt eine wahre Tragödie trotzaller Anfechtungen, nur ist's nicht die erste, nur zeigt sie inStoff und in der Behandlung der äußeren Form gewissekühne Besonderheiten, die einer Wiederholung widerstreben.Und nun bringt der geborene Tragiker auf einmal etwasganz Anderes als eine Tragödie: eines der wenigen Schau-spiele in der Literatur, die nicht Tragödie und nicht Komödiesind und dennoch Stand und Stich halten — ein Drama,das zu den vollendetsten Leistungen des Dichters selbst ge-hört, ihn wieder in der vollen Sicherheit seiner eigenenArt und in erhöhter künstlerischer Reife zeigt, in der eralles wagen kann. Und als er sich so ausgerüstet wiederan eine große Tragödie gemacht hat — da bricht plötzlich,wenn auch lange vorbereitet, sein eigenes Todesgeschick herein.
Am „Teil" kann man, gerade weil er keine Tragödie