91
Krone der Skeptiker, lehrt, mag die Reihe der Hülfsmittel schließen,neben Pope's Regel der Lebensweisheit: Ulesseä is bo v-lio oxpeetsuotlnug, kor bo sliall novor bs äisappolntsä! ' dlicht Jeder kannSchmied seines Glückes sein, wenn äußere Umstände ihm Eisen undAmboS, Hammer oder Feuer versagen; aber von uns hängt ab, wasschon die Alten kannten und besser geübt zu haben scheinen, Ueatus,von gut Imtivt, guw eupit, soll gut uou oupit, quu> uou üadot. ^Diogenes war es erlaubt, vom Weltübcrwinder Alexander sich eineGnade auszukitten; er bat nicht einmal um Pension, sondern bloß,daß Se. Majestät geruhen möge, ihm aus der Sonne zu gehen. Dieglücklichste Lage für Frohsinn ist gerade die Mittelmäßigkeit — dieweise Mitte —
Glückselig, wer die Welt
Für kein Elysium, für keine Hölle hält.
Posidonins fühlte seine Gichtschmcrzcn, wie Epiktet den Beinbruchphhsisch, aber ihre durch stoische Weisheit gestärkten Seelen vermochtenden Schmerz in die Grenzen des bloß gegenwärtigen Gefühls einzn-schließen, und von der Phantasie und dem Herzen, die nur die Unruhevermehren, abzuhalten. Epiktet, den sein Herr schlägt, bittet, daß erihm nicht das Bein entzwei schlage, der Barbar zerschlügt es, und derStoiker ruft: „Sagte ich's nicht, daß du mir's entzwei schlagen wür-dest?" Ueber diesen Zug hatte St. Augustin eine solche Freude, daßer sicher auch dreitausend Drachmen für Epiktets irdene Lampe gebotenhätte, und da dies nicht anging, so wünschte er christmildest, daß dochGott diesem Heiden Barmherzigkeit möge widerfahren lassen, wie demSokratcS. Die Meinung, daß etwas ein Uebel sei, verursacht oft weitunangenehmere Empfindungen, als das Uebel selbst; Mancher hat schoneine schmerzhafte Operation ertragen, ohne zu erbleichen und zu jam-mern, während die Umstehenden zitterten, erblaßten, schwitzten und inOhnmacht fielen. Die Stürme des Schicksals befördern Stärke undGesundheit der Seele, sowie Oelbäume besseres Oel geben, wenn derWind die schlechten Früchte zuvor abgeschüttelt hat, und die Acolsharfebleibt stumm ohne Windstoß. Ich habe Unglück erlebt ohne meineSchuld — denn gar Viele nennen auch Unglück die Lage, in die siesich selbst leichtsinnig stürzten — aber nie.an gesunden Gliedern, ob
i Glücklich ist der, welcher Nichts erwartet, den» er wird nie getäuscht werden. — r Glück-lich ist nicht der, welcher besitzt, was er wünscht, sondern welcher nicht wünscht, wa« er nichtbesitzt.