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mehr als ein Lustspiel, das ihn anfangs empört. Wohl hundertmalhabe ich mit Themistoklcs, den man die Mnemonik ^ lehren wollte,ausgerufen: „Lehre mich lieber die Kunst, zu vergessen!" aber ich mußleider mit den Niederländern sprechen: IK üeot Llureus," und daherkaun ich, so sehr ich die Sonntage liebe, den Sonntag Reminiscere nichtausstehen, Miscricordia domini lasse ich mir noch gefallen, weil solcherzwischen Lätare, Quasimodogcniti und Jnbilate liegt, und Exaudi'darauf folgt, ehe die scchsundzwanzig Trinitatis kommen, was zu-viel ist.

Gibt es eine Mnemonik, so gibt es auch eine Lethegnomik; * dennes gibt gewisse Naturgesetze, die Vergessen herbeiführen, und das Haupt-mittel ist, die gerade entgegengesetzte Idee zur herrschenden im Kopfezu machen. Sie ist, meines Wissens, noch nicht theoretisch, wohl aberpraktisch bearbeitet; Große, Damen und Reiche vergessen leicht ihreZnsichernugcn, Helden eine Herausforderung, Eltern ihre Kinder undKinder ihre Eltern; noch leichter werden Bruder und Schwestern,Bettern und Basen vergessen; Freunde vergessen den Freund, Weiberihre Männer und umgekehrt, der Verleger den Autor, selbst Sklavenvergessen ihre Freiheit und ihr Elend, die größten Virtuosen aber inder Kunst, zu vergessen, sind die Verschwender und Schuldcnmacher,nud die Gebrüder Liederlich und Compagnie.

Die Kunst, zu vergessen, ist keine so leichte Kunst, und dennochhabe ich mich in der traurigsten Epoche meines Lebens (s. die Vorrede)oft für ganze Wochen aufgeheitert durch Kunst, indem ich die nnedeln.Handlungen sogenannter Edcln bloß von ihrer komischen Seite aufzu-fassen mich bemühte, und dann durch Lesung heiterer komischer Schrif-ten, die auch heitere Ideen hervorbrachten, und durch Sammlung derMaterialien zu diesem Werke; selbst die traurige Bemerkung, daß vieledieser Edeln dem Gesetz der Ehre willig folgen, wenn es Ihresgleichengilt, nicht aber gegen Leute, die sie tief unter sich erblicken, gewanneine komische Wendung. Mein Tclemach, der zwei Jahre sich durchReisen bilden sollte, floh schon im ersten Vierteljahre in die Arme derallznzärtlichcn Mama, und theilnehmcnden Männern, die von mirsprachen, erwiderte er: „Er muß sich nach mir richten, ich mich nichtnach ihm." Der Mentor forderte seinen Abschied; nur Wenige achte-ten ihn um so höher, die Mehrzahl machte fraubasenmäßige Glossen

i Gedächtnißkulist. — * D. b. ich kann meinen Namen nicht ändern. — s Gedenke —Erbarmen de- Herrn Freue dich — Gleichsam neu geboren — Jubelt — Erhöre. —4 Kunde der Vergessen».