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Bci dem geistigen Lcbcii scheint fast Alles von einer heitern, male-rischen Einbildungskraft abzuhängen oder, bestimmter, von der höher»Potenz derselben, von der Phantasie oder produktiven Einbildungskraftim Gegensatz der reproduktiven. Einige haben daher auch die Phan-tasie für die eigentliche Quelle des Vergnügens am Lächerlichen nehmenwollen, ohne zu erwägen, daß es ja viele Fälle gibt, wo sich dieselbeeben so frei von der Herrschaft des Verstandes fühlt ohne alle An-schauung und Beziehung auf das Lächerliche. Die Phantasie erhebtwie das Große, Erhabene und Rührende zu einer höher« Sphäre,während die Allen mehr oder weniger inwohnende Einbildungskraftin die Sinnenwelt herabzieht; daher taugt die Phantasiekur, die Lichtcn-berg nach einer langen Anstrengung der Denkkraft gemeiniglich zurBrunnenzcit mit sich vornahm, für die Mehrzahl nichts, besser ist fürsie die gewöhnliche Brunnenkur. Die Kunst könnte die Phantasie alsschöne, weibliche Figur abbilden, deren Thron ein Luftballon wäre,umkränzt mit Blumen, und ihr Zeitvertreib, daß sie Seifcnbläschenin die Lust bläst und ihre Schmctterlingsflügel bald auf- bald nieder-schlägt, den Blick nach einem blinkenden Sterne gerichtet.
Die Einbildungskraft ist es, die unsere Vorstellungen von denDingen vergrößert oder verkleinert und uns in die Wirbel der Mög-lichkeiten oder Wahrscheinlichkeiten und Geheimnisse der Zukunft hinein-stürzt, aus denen wir uns ohne Zucht des Verstandes nicht heraus zufinden wissen. Von ihr hängt unsere Zufriedenheit und Unzufrieden-heit ab, und sie, die aus Ketten und Banden Blumengewinde undaus Wüsten Luftgefilde zu bilden vermag, vermag auch Himmel undErde umzuwandeln in Schatten des Todes und Schrecken der Finsterniß,des Grabes und der Ewigkeit. Die Einbildungskraft ist die geistigeBildungskraft, welche durch die Ideale begeistert, aber ohne Oberauf-sicht des Verstandes in das Blaue hineingeräth und zur Phantastereiwird, so wie der bloße kalte Verstandesmensch ohne Phantasie einemweiten Walde gleicht ohne Thiere und Singvögcl.
Diese Zauberlaterne, welche die Sinneneindrückc vergeistigt unddas Geistige versinnlicht, war den Griechen im reichsten Maße gegeben,und unter den Neueren den Italienern und Franzosen. Bei diesemGenusse schadet das Zuviel weniger als beim Sinnengenuß, es müßtendenn die Bilder so lebhaft werden, daß man sie für Gespenster hält,oder so unangenehm, wie Nicolai's Phantasmen, oder so fix, daß siezum Tollhaus führen. Der Phantast Peregrinus Proteus, den wiraus Lucian und Wieland kennen, verbrannte sich gar selbst öffentlich!