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[Erster Band. - Zweiter Band.]
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Hütte er als Mann seine meist selbst verschuldeten Widerwärtigkeitenvon ihrer lächerlichen Seite aufzusasscn verstanden. Die gute Hälftedessen, waS wir Unglück nennen, sind eigentlich unsere Fehler — zuviel Selbstliebe, Stolz und Eigensinn, zu wenig Fügsamkeit, Klugheitund Mäßigung, und in diesem Spitalc kränkelte auch mein lieberJean Jacques, wie ich, nur länger noch als ich. Er, der Freundder Wilden, Hütte von ihnen lernen können, wie sie, trotz ihrer Freß-sucht, Hunger und Durst mit einem Muth ertragen, der freilich leichterbewundert, als nachgeahmt wird, wie sie die ausgesuchtesten Qualendes Todes mit Spott und Verachtung ihrer Quäler erdulden undsterben ohne Laut oder Seufzer. Jener Jndier am Niagarafall, schla-fend in seinen! Canot, während sein junges Weib Beeren sucht, erwachtvon der Erschütterung der Wellen — ein brittischcr Barbar hat dasCanot heimlich losgebunden wegen der schönen Frau — wild sieht derErwachte um sich, ergreift besonnen das Ruder — aber die Wellendes tobenden, dem Falle nahen Stromes? Kalt wirft er das Ruderhin, legt sich ruhig in den Kahn, gehüllt in seine Decke, und der Ab-grund verschlingt ihn. — Rousseau und die wenigsten Menschen derKultur würden dies verstehen.

Uns schmerzt ein Zahnansreißcn. „Ach! den Schmerz ertrage ichnicht," und so dauert der Schmerz fort, und darüber werden auch nochgesunde Zähne angesteckt. Wir halten es gerade so auch mit demgrößer» moralischen Schmerz, pflegen ihn und verzweifeln am Schicksal,während ein entschlossener Riß Alles heilen könnte. Wir vermögenes nicht! Jedes menschliche Ereignis; läßt sich auf eine lächerliche Seitedrehen, selbst ein gewaltsamer Tod. Kann dich der Tyrann längerquälen, als dein bischen Leben dauert? und ist das längste Leben mehrals ein Spazicrgang vor den Pforten der Ewigkeit? Man kann seinenKerker für ein selbstgcwähltes Zuhansebleibcn ansehen, Landesverwei-sung als eine nothgedrungcne Reise, Platzregen als Tropfbad, undlangweilige, dumme Gesellschaft als ein Wachsfignrcnkabinet. Washälfe es den Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne und nähmeSchaden an seiner Seele?

Sterbliche sind wir und sterblich all' unsere Wünsche,

Leid und Freude, sie gehen, oder wir gehen vorbei. Sein!

Der Fluß ist das wahre Bild unseres Lebens, hier wälzt sich dieerhabene Wasscrmasse voll Leben mir entgegen — ich will sie rechtbeaugenscheinigen, aber die Wellen rollen fort — neue folgen, sie rollen