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Und gerade so verschieden sind auch die Meinungen in Ansehung desLächerlichen, eines Theiles des Schönen. Wenn nach Hogarths Theoriedie Wellenlinie Grundlage des Schönen ist, so gibt es nichts Schöneres,als unsere alten Städte. Die Kunst stellt die Schönheit als nackteweibliche Figur dar, deren Unterscheidungszeichen der Zipfel eines vonder Schulter wallenden Gewandes nur leicht bedeckt — es mag Grie-chisch sein; aber eine nicht reizende Schönheit ist keine Schönheit, unddie Nacktheit mit dem Feigenblatt nimmt den höchsten weiblichen Reizhinweg — die Schaamhastigkeit. Venus selbst vereinte ihre Reizein dem Gürtel, den sie trug und einst der Juno leihen mußte, umJupiter wieder zu gewinnen — die Kleider machen Leute, die Modeist die Iris der Juno, und das Feigenblatt der Eva wissen Damenbesser moralisch zu nützen.
Strenge Aesthetiker streiten sich sogar: ob das Lächerliche Auf-nahme verdiene im Gebiete des Schönen. Andere: ob Gartenkunst,Schönschreibkunst, Reit- und Fcchtknnst nicht eben so gut schöne Künsteseien als Tanzkunst; und es steht zu erwarten, ob nicht noch Putzkunst,Möblirung, Belcuchtnug, Feuerwerk rc. zum Rang schöner Künste er-hoben werden. Bieth über das Schlittschuhlaufen rechnet wenigstensseine Kunst darunter, und Schmaling gab uns eine Aesthetik derBlumen. Ich frage an, ob die Knust, in eine schöne Ohnmacht zufallen, nicht eine schöne Kunst sei? An Höfen wird es nicht schwerhalten, die Kochkunst, vielleicht selbst die Tranchirkunst, zu diesemRang zu erheben; denn — es gehört gewiß Virtuosität dazu, aus freierHand eine Gans zu zerlegen, gleichsam in der Luft, und so schnellund so Vortheilhaft dünne einen Rehbraten zu zergliedern, wie dieKellner Frankfurts zur Meßzcit. Und hat nicht Kochkunst das mit denschönen Künsten gemein, daß sie — Dünste und Blähungen erzeugt?Die Fertigkeit, schnell einen guten Punsch oder Bischof, kalte Schaleoder Limonade zu machen, hat schon Manche weiter gebracht, als all'ihre akademischen Studien!
Es scheint lediglich darauf anzukommen, alle Sinne so zu kulti-viren, wie Aug' und Ohr — die Kochkunst für den Gaumen, dieParfümcrieknnst für die Nase, die Tastknnst für die Finger, sowie derConditor für das Auge mitarbeitet. Görrcs nennt in seinen Apho-rismen über Kunst bereits die Kochkunst „die Plastik des Flüssigen"und Parfnmcrie „Musik der Düfte," Schlegel die Baukunst „eine ge-frorene Musik," so gut als den Historiker einen „rückwärts gekehrtenPropheten," und Jean Paul die Musik gar „eine Poesie der Luft" —