Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
168
JPEG-Download
 

168

eine ähnliche Versammlung, da er seinem alten, heftig vortragendenKanzler in seine geballte, auf dem Scssionstisch ruhende Hand unbe-merkt eine Stange Siegellack steckte, oder an das in einer ständischenAbendsitzung plötzlich in Brand gerathene Perrückchen — und man istbereit, Vater Aristoteles beizustimmen. Hätte dieser llrphilosoph nurnoch das Wörtchen „überraschend" beigefügt, so möchte ich wissen, wasNeuere an ihm auszustellen hätten. Epiktet traf diesen Punkt, wenner das Lachen „eine schnelle Aufwallung eines frohen Gemüths" nennt,was mit Longins --»>/<-? iv Hoo-H übereinkommt. So weit warenschon die witzigen, lachlustigen Griechen, und der so gerne lachendeKönig Philipp schickte den Possenreißern zu Athen ein Talent, daß sieihm ihre Schwänkc mittheilen möchten.

Wenn wir Cäsar glauben, so brauchen wir den Verlust griechischerSchriften über unsern Gegenstand eben nicht zu bedauern, und Xeno-phous Ktzropädic macht es auch glaublich. Cäsar, dieser kühne Uni-versalkops, gleich geschickt, Lachen und Bewunderung zn erregen, tagt:er werde jedesmal ernsthaft, wenn er die Ursache des Lachens angebensolle, und verwies die Frager an Demokrit, d. h. er suchte der Fragewitzig auszuweichen, denn Demokrit hat uns leider nichts hinterlassen.Er soll sich acht Tage den Kopf über Feigen, die nach Honig schmeckten,zerbrochen haben, was ihm die Köchin sogleich hätte sagen können, daßsie die Feigen in einem Honigtopf aufbewahrt habe — der Lacher sollteeinmal über sich lachen. Große Gelehrte sehen gar oft die Ursacheeines Dinges nicht ein, gerade weil sie ihnen zu nahe vor der Naseliegt, und so mag das Lächerliche auch für Demokrit unter jene Wahr-heiten gehört haben, von denen er zu sagen pflegte: „sie liegen in derTiefe des Brunnens." Demokrit lachte gewiß nicht immer, so wenig,als er sich immer in Gräbern aufhielt oder gar blind machte, um besserdenken zu können, denn er war wahrlich kein Narr, und wenn er viellachte, so sind lediglich die Abderitcn schuld, unter denen er lebte.Hätten die Lacher nur noch seine Werke, vielleicht wären sie ihnen soviel werth, als Goethc's Werke, Ausgabe letzter Hand. Eine andereFrage wäre freilich: ob solche der durchlauchtigste deutsche Bund inSchutz genommen hätte?

Unter den ernsteren Römern steht Cicero oben an, der größteLacher seiner Zeit, die Seele freundschaftlicher Mahle, dessen Witz undLaune so manchen Rcducrsicg davon trug, den er nur Gründen hättezu verdanken haben sollen, und dessen Vaterstadt Arpino, noch heutestolz auf ihn, Ll. 1. 6. im Wappen führt. Herr Marcus Tnllius hat