sich noch immer glückselig findet, selbst in Phalaris Glühofen, und-lächeln.
Unsere älteren Philosophen, die dos Lachen aus dem freudigenGefühle eigener Vollkommenheit ableiteten, kamen ins Gedränge, daes gerade llnvollkommcnhciten sind, worauf sich das Lächerliche gründet.Sie wußte» das Vergnügen an Ungcreimthe-t »nr dadurch mit Ver-minst und Sittlichkeit zu reimen, daß sie sagten, man empfindeVergnügen nicht an der Unvollkommcnheit, sondern über seine eigeneVollkommenheit, die durch Verglcichnng mit einer N »VollkommenheitAnderer sich erhöhe; Snlzcr glaubte noch hinzusetzen zu müssen:„Für den Denker ist freilich dieses Vergnügen gering, daher auchDenker selten Lacher sind!!" Sie lachten also nicht aus Eigen-liebe über Bartolini, der die Kometen für Geschwüre des Himmelserklärt und eine Diät vorschreibt, sondern anS Freude über ihrebessern Einsichten; sie lachten, wenn die Begierde, etwas in moralischeUebereinstimmung zu bringen, auf eine Art versagt wurde, wobei dasVergnüge», das jede Spannung mit sich führt, das Mißvergnügen,welches die Bersagnng gibt, überwog; sie lachten über das Ja undNein zu gleicher Zeit. das so überrascht, daß nur ein kaum gefaßtesUrtheil schon wieder umändern müssen, was vielleicht Kant mit seinerDefinition sagen wollte. Kant stieß dem Faß ganz den Boden ein,da er das Schöne als bloß empirisch für unfähig zu einer Wissenschaft-lichen Form erklärte und zum Grundbegriff setzte: „intellektuelles Wohl-gefallen an einer Zweckmäßigkeit ohne Zweck, ohne Reiz und Rührung."Die Kantlingc lachten nun im Gefühle der Freiheit vom Zwange derVerstandcsregeln, und ihre von den Banden deS Verstandes mir all-zusehr entfesselten Seelen schwebten frei in behaglicher Abspannungund gefielen sich in der Verkehrtheit, wie man sich in einem Brttndchcugefällt, das unsere Lebensordnnng jovialisch unterbricht. Der Streitentzündete sich nun noch mehr, und die Kantlingc gaben nur destomehr — zu lachen, denn es gibt auch Lacher mit Erlaubniß des HerrnSulzcrs, die — Denker sind!
In naerbis simus laeilss. ' Der wahre Philosoph — worunterKantlinge wohl nie gehörten — wird die Thorheiten der Menschenweder beweinen noch belachen, sondern sie aus ihren Prinzipien zu er-klären suchen znr Beförderung der Menschcnkenntniß; Thoren undSchurken haben für ihn dasselbe Interesse, was die Weisen und Red-lichen haben, ja gewissermaßen ein noch größeres, wenn er sich nuri Bei bitteren Erlebnissen laßt uns heiter sein.