rault und la Motte für die Neuern, und beide Theile hätten etwasBesseres thun mögen, vorzüglich Sieur la Motte, der die 16,000 Hexa-meter Homers auf 4600 französische Verse reducirte (Dacier zählte sie,wie man einst die Zeilen der Bibel zählte, um zu wissen, welches diemittelste Zeile oder gar der mittelste Buchstabe sei!) — und Alles,ohne ein Wörtchen Griechisch zu verstehen. Wahrlich, gegen la Motteund Dacier und gegen Monti und Pope steht unser Boß da, wieHomer selbst! Die Alten sind so gediegen, daß jener Professor, dersich nur die schönsten Stellen Vater Homers anstreichen wollte, zuletztdas Ganze unterstrichen fand, und so ging es auch mit den Bibelaus-zügen dem Manne Gottes Seiler, zumalen im ganzen BaireutherLand befohlen war, seine Werke für alle Schulen anzuschaffen.
In jenen Zeiten war die Frage noch nicht reif, und in Deutsch-land ohnehin nicht, aber schon Fontenelle fragte: „Waren die Bäumeder Alten größer als die unsrigcn?" Nein! „Nun, so können wirauch Homere und Virgile, Platane, Aristoteles und Dcniosthenes ziehen."Gewiß; unser Wissen und Verstand ruht nicht allein auf dem Grunddieser Alten, so wenig als Religion auf dem Glauben der Prophetenund Apostel. Zwischen der Geringschätzung der Alten, die sich unsereGenies erlauben, und zwischen der Ueberschätzung der Philologen liegtdie Wahrheit in der Mitte; man thut wohl, bei Allem zu fragen:L guot ovrt-it? ' und das vita brsvis, urs longa " zu erwägen, dasja auch Latein ist. Die Alten sind die Ulmen, an denen die Rebenhinanfranken, wie in Italien, und man stößt auf Stellen, wie in derBibel auch, daß der Glaube an Offenbarung oder Inspiration desheiligen Geistes verzeihlich ist; mich freut schon, daß es vor zweitausendJahren Leute gab, unendlich gescheiter als wir. Griechisch und Lateinsind uns viel, und wer in den Geist dieser Sprachen eingedrungenist, findet, daß die beste Uebersctzung sich zum Original verhält, wieein Kupferstich zum Gemälde, wie Pichlers Magdalena in meinemZimmer zu der von Battoni in der Gallerie Dresdens. Die Römerlasen Griechen und ahmten sie nach, aber übersetzten nicht; sie schriebenTexte, wir nur Commentare, und unsere Philologen gleichen meistden Winzern, die den Wein bauen und keltern, aber nicht selbst trinken.Ja, wir haben Ucbersetzer, die die Sprache nicht einmal verstanden,und solches auch nicht für nothwendig gehalten haben; man übersetzt
> Wozu dicni es? — r Kurz ist da« iebcn, lang die Kunst.
Demokritoi. v
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