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scheint größer, als es wirklich ist, uud dieser umgekehrt kleiner, weiler nicht so einfach ist.

Es wäre Schande, wenn wir die Alten nicht auch im Gebietedes Schönen übertreffen könnten, wie wir sie unstreitig im höher»ernsten Wissen weit überflügelt haben, denn wir stehen ja auf ihrenSchultern und sind in Hinsicht der Zeit die Alten und die Alten dieNeuen. Wenn das Lächerliche auf Ungereimtheiten beruht, so habenwir sicher unendlich mehr Ungereimtes, und beruht es auf unerwartetenJdccnvcrbindnngcn, so kann unser Jdeenvorrath in gar keine Ver-gleichnng mit dem der Alten kommen, und jeder Jdccnznwachs erweitertdie Sphäre des Witzes, wie die der Wahrheit. Der Autor aller Au-toren ist die Zeit, wie der beste Recensent; die Wahrheit ist eine Tochterder Zeit und nicht der Autorität oder journalistischen Wissens, unddie Weisheit eher bei Mutter Natur zu finden als in Büchern.

Im Mittclalter, wo Beccatellns ein Landgut gegen einen Livinsvertauschte, während Poggio einen Livins verkaufte, um ein Landgutzu kaufen, wo sogar Damen Griechisch und Latein schreiben und spre-chen lernten im Enthusiasmus für die wiedercrwachteu Wissenschaften,war der Fall verschieden. Damals waren es die Alten, die Lichtbrachten in die von Päpsten und Mönchen verbreitete Finsterniß; jetztaber würden so schwärmerische Verehrer, die nichts als die Altenwollten, über nichts als den Alten brüteten, oft bloß, um Schreib-fehler zu verbessern, ganz den Rabbincn gleichen, die ihre ganze Lebens-zeit über dem Talmud — lange keine Bibel, Koran und Zendavesta— sitzen und blitz-stock-hagebdnmm werden. Wir theilen die Freudedes mailändischen Bibliothekars Mais an seinen gelehrten Funden,können aber nicht seiner Meinung sein, wenn er den gefundenen Red-ner Fronto nennt: Roman« eloguenti« nou soourxlum soll alterum<loous! ' wobei man an die Commentatoren des Florus, Rnpcrt undFreinsheim, denken muß. Bei der Stelle: „Das Land der Parther istwegen Wassermangel dem durstigen Krieger nicht günstig," sagtDr. Rnpcrtus: In siti totius sxoroitus guitl taoienäuin sit bono (luejclocot Rroinsliemius ' — der Schnlrektor dem Heerführer!

Gott ehre mir die Alten! aber graue Vorurthcilc aus jener Zeit,wo sie uns wirklich aus unserem dummen Sündcnschlafe weckten, natür-liche Ehrfurcht vor dem grauen Alter, selbst die fremde Sprache, die

1 Nicht die »weite, sondern eine zweite Zierde römischer Beredsamkeit, d. h. ein zweiterEicero. — ? WaS ein guter Feldherr beim Durste seines ganzen Heeres thu» muß, lehrtFreinShemiuS.