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uns nm so trefflicher dünkt, weil wir sie im Schweiße unseres Ange-sichts, weinend, seufzend und gestäupt erlernen mußten, machen unsblind. So wie wir im Munde eines Großen oder einer Schönen eineRede weit schöner finden, als in einem alltäglichen Munde, so ist esauch oft niit dem, was Griechisch oder Lateinisch gesagt ist. „O wennSie Griechisch könnten!" dieser Ausruf gleicht gar oft dem Ritter vonla Mancha, der da Ritter, Schlösser und Zauberer sieht, wo derKnappe nur Bauern, Kneipen und Windmühlen erblickt, und in derJugend blicken wir selbst nur staunend und bewundernd zu DominusRektor empor oder gar zu einem Professor, wie zu einem Papst. —Es hat sein Gutes, und so einst die blinde Verehrung des Alterthums;aber Alles hat seine Zeit, und so verwies ich unlängst einen, der nichtmit der Zeit vorgegangen ist, auf Thümmels oampi lapiüoi.*
Vermuthlich sind von den Alten nur die Bessern übrig, da diesean: häufigsten abgeschrieben wurden, aber auch unter diesen — darfich es sagen? — wahrlich noch Schofles genug, sobald wir ohne ge-lehrte Brille lesen. Die Liebe wächst mit der Entfernung, so wie mitihr Groll und Haß abnehmen; wer hätte noch Haß gegen Römer odergar gegen Adam und Eva? Gott ehre mir die Alten, die ich im Her-zen wie im Kopfe trage und denen ich fast täglich opfere auf ihrenAltären; sie, die mir Gefühle erregen schon als bloße Zweibrücker,'wie wenn ich zu Rom oder Athen selbst wäre, oder das Brod, dieLinsen und Pflaumen und den Wein von: Jahre 79 vor mir hätte wiezu Portici. Die Alten waren es zunächst, die uns aus den gottvcr-dammkchcn Fesseln der schändlichen Pfaffhcit retteten, ja mich selbstnach einer schändlichen Katastrophe zuerst wieder aufrichteten, ob ichsie gleich im Welt- und Geschäftslcben ziemlich hintangesetzt hatte, undmich — gleich meinem lieben Scume — vor Menschenabscheu bewahr-ten. Gewiß stimmte ich weit herzlicher in den Jubel der griechisch-lateinischen Welt, wenn noch ein Menandcr, Livins, Tacitus, Pli-nins vollständig zum Vorschein käme (was möglich ist), als in denganzen Kirchcnjubel von 1817; aber — was ist Plantus und Tcrcntiusgegen Molidre und Rcgnard? was Lncian gegen Cervantes, Voltaire,Sterne, Lichtcnbcrg, Thümmcl? was Platv und Aristoteles gegenKant? was Sophokles und Enripidcs gegen Shakspcarc und Schiller? —
Omni» xvst odituva Lngit wssora votustss. ^
Ihre Historiker scheinen nur noch am ehesten Ausnahme zu ver-
i Steinfeldcr. — 2 Eine einst sehr geschätzte Ausgabe der Klassiker. — 3 Alle-, waS dahin-gegangen, steigt bei der Nachwelt mehr und mehr tm Werth.