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[Erster Band. - Zweiter Band.]
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Wo Phantasie imd Urtheilskraft sich berühren, entsteht Witz, wosich Vernunft und Willkür paaren, Humor, und das Willkürlichemacht eigentlich das Pikante des Humors.

Heiterkeit ist die Grundlage des Scherzes, die der Lanne Lustig-keit, wozu der Humor Ernst gesellt; jene ist mehr negativer, diesemehr positiver Art. Die innere Regsamkeit eines frohen Genius isteine Art von Bcgeistcnmg, die plötzlich erscheint wie ein schönerMaientag nach Aprilenwetter, und mit allem spielt, mit der Naturund ihren Neckereien, wie mit Schwierigkeiten und Gefahren. Solacht die Menge, wenn die Schwärmer eines Feuerwerks um sie herprasseln, wird aber ernst, wenn die Raketen sich in die Luft erheben.Humor bedeutet im Latein Feuchtigkeit, und da diese wie die TrockenheitEinfluß auf Körper und Gemüth hat, so haben die Töchter der latei-nischen Sprache das Wort lnmioar, nwors, üuinor beibehalten» undwir Deutsche haben dafür das Wort Laune. Wir könnten das fremdeHumor eigentlich ganz entbehren, ob wir gleich größere Liebhaber vonFeuchtigkeit sind, als jene südlichen Nationen, und Weinfeuchtigkeitbessern Humor zu geben Pflegt, als Wasserfeuchtigkeit.

Lessing, der bumor zuerst durch Lanne übersetzte, nahm es späterwieder zurück und sagt in seiner Dramaturgie: „Humor und Launesind verschiedene Dinge, Laune kann zu Humor werden, aber Humorist außer diesein einzigen Fall nie Laune." Es mag gelten, da derHumor etwas Anhaltendes, weniger von unserer Organisation Ab-hängendes ist, als Launen, und sich zu dieser verhält, wie Ironie zurPersiflage. Die Laune hat tausend krumme Wege, die Ironie nureinen geraden, wie der Ernst, Humor einen höheren, edleren Stand-und Vergleichnngspunkt und idealisirt. Laune ist eigentlich die physischeStimmung zum Humor, der der Geist ist, und die lebendige, alles durch-dringende, freiwaltcnde, über alles erhaben schwebende Idee; beideverlieren sich aber leicht in einander, und der wahre Unterschied isthöchstens physiologisch. Humor und Laune vereinen sich, indem sieeine sonderbare, unerwartete, idcalische Verwandtschaft darstellen; Witzist ihr innigster Freund, und so auch die Satyre; Humor schwebtzwischen Satyr und Komiker in der Mitte, nur daß der Humor höch-stens eine Sammctbürste führt, wo der Satyr mit Kratzbürsten wundund blutig reibt. Humor geht aus Gemüthlichkeit und Herzensfülle» hervor, und daher ist er mehr Eigenthum nördlicher Völker als süd-licher ; auch die Griechen und Römer kannten solchen eigentlich nicht,und er scheint stark verflochten zu sein mit der Meteorologie eines