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Wenn Spartanerinnen in unserer Zeit den Hagestolzen alljährlichim Venüstempel hermnpcitschen wollten, oder solcher im Winter baar-fuß auf dem Markte erscheinen und Spottlicder anhören müßte, sowäre dies höchst ungerecht. Es scheint sogar, daß selbst zu Spartadie Mädchen ihre Schenkel zu viel gezeigt, ein Ehemann den andernzu oft um Aushülse angesprochen, und das Geschlecht überhaupt znmännisch gewesen sei, weil die Ehclust erst durch seine Gesetze erregtwerden mußte. Bei unsern weit verdorbenen, Sitten, bei unserngrößcrn Bedürfnissen, geringem Einkommen und hohen Preisen derDinge kann Ehelosigkeit sogar znr Tugend werden, und jene Strafen,neben der lox ckulia I?apia roppavll, 2 wären im neunzehnten Jahr-hundert so ungerecht, als das altdeutsche Hagcstolzcnrccht (im Braun-schweigischen und im Odcnwalde) oder der Hildesheimische Gcdulds-hahn, den kinderlose Ehcleute jährlich dem Pfarrer geben mußten,damit er die Tansgebührcn vergesse und mit ihrer Schwachheit Geduldtrage, wenn er sonst nicht helfen wolle; dieses Opfer hat Aehnlichkeitmit dem Schweigethaler, den sonst die Angsburgcr ihren Predigernzahlten, wenn sie solche nicht mit Leichenreden bemühen wollten.
Hagestolze können sehr triftige Gründe für sich haben, die ihnensogar zur Ehre gereichen; Kränklichkeit und Körpergcbrechen sind ge-wiß Gründe, die Ehelose sogar zn Wohlthätern der Menschheit machen;Mangel an Auskommen entschuldigt nicht minder, da kein Mannamehr von, Himmel regnet, und Niemand einem Etwas gibt, wennman nichts hat, als höchstens ein Almosen; die meisten alten Jung-fern sind in der Regel ohne alle Schuld und hatten den besten Willen,der Natur ihren Tribut darzubringen. Der Hauptgrund steigenderEhelosigkeit liegt offenbar in Luxus und Sittcnvcrdcrbcn. Die Erdeist ein Paradies; es wimmelt von Even, wenn es nur nicht auch fasteben so viele Schlangen gäbe; und wem muß nicht vor dem heiligenSakramente grauen, wenn er das Leben so vieler mißrathencr Söhneund Töchter erblickt, ob es gleich im alten Rom noch schlimmer ge-wesen sein mag, da selbst Kaiser Augustus ausrufen mußte:
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1 An seinem traurigen LooS ist eine Spröde nur schuld. — r Ein unter Kaiser AugustgeaebeneS Gesch, worin den lZhclosen einzelne Nachtheile bei der Aemterbesetzung, Steuer-zahlung u. s. w. zuerkannt waren. — s Wär' ich doch eheloS stet- und ohne Sprossen ver-blieben.
DemokritoS. II.
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