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sowie er neue Gesichter vor sich sah, zagte und stotterte er und suchtevor Allem seinen Bnckel (ineinen Körper, sagte er selbst, hätte derschlechteste Zeichner im Dunkeln besser machen können und sicher manchenTheilen weniger Relief gegeben) zu decken. Er lebte höchst einsam,kam einst anderthalb Jahre nicht vor die Thüre und schrieb diesemUmstand den Besuch Howards zu, der seine Stube als eine Art Kerkerhabe beaugenscheinigen wollen.
Wie Lichtenbcrg bei seinem einsamen Leben zu so mancher treff-lichen, überraschenden Bemerkung über Welt und Menschen gekommensei, ist mir räthselhast; gutmüthiger Humor und Frohsinn verließ ihnnie, und seine anspruchslose Milde nöthigte selbst den Züchtlingenseines Satyrs Achtung und Wohlwollen ab. Mit dem treffendsten,lachendsten Witz war Ticfgcfühl verbunden, was Hippel und Voltairenicht kannten, deren er auch nie erwähnte, während die ihm verwandtenGeister, wie Sterne, Fielding, Thümmel, Jean Paul, selbst Clau-dius oft Gegenstand seiner Betrachtungen waren. Es ist mir vielwerth, den herrlichen Mann noch im Fleische gekannt zn haben, undich werde ihn nie vergessen. Ob er ohne seinen zweimaligen Aufent-halt in England das geworden wäre, was er war? Nichts vermochteihn aus dem Gleichgewicht zu bringen als Anmaßung und Uebermuth,und dann ergriff er die Geißel, wie gegen Lavaters Proselytenmachereiin seinem Timones und gegen seinen Physiognomiken Unfug, demwir das humoristische, herrliche Fragment von Burschen- und Sau-schwänzen verdanken.
Seine Schriften sind gesammelt; von den zwölf Bänden der Er-klärung Hogarth'scher Kupferstiche gehören ihm aber nur die fünfersten an. Er wäre der Mann gewesen, uns eine Theorie des Lächer-lichen zu geben und das Ideal zn erreichen, das mir dunkel vorschwebt.Sein seltenes Talent wäre da weniger verschwendet gewesen, als es miran Hogarth verschwendet scheint, der erst durch ihn recht witzig gewordenist. Der Zufall hatte ihm zu London "dessen sämmtliche Werke in dieHände gespielt, die er späterhin der Göttinger Bibliothek überließ, umsich vor Kunstbesuchcn Ruhe zu schaffen: „Sie sind mir ein Hauskreuzgeworden wie eine schöne Frau," sagte er. So ließen die Besitzer derVilla Simonetti bei Mailand, die ein künstliches Echo hatte, dasvierzigmal wiederholte, solches eingehen, weil es kostspielige Besucheherbeizog. Jammerschade, daß Lichtenbcrg wegen Kränklichkeit so vielesliegen ließ, was er angefangen hatte; eine Auswahl seiner Briefe wärezu wünschen, und gewiß interessanter als andere Sammlungen von