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Mal besteigen dürfen; abgesattelt, begnügen sie sich wieder mit demhölzernen. Knaben reiten noch die harmlosesten Steckenpferde, nndder Knabe, der dem abgelebten Greise, dessen Krücke zerbrach, seinSteckenpferd reichte, auf dem er jubelnd cinherzog, ist das schönsteBild der Wohlthätigkeit.
Ausschließliche Beschäftigung mit irgend einer Wissenschaft oderKunst gibt gewöhnlich den Stcckcnreitersinn und erhebt vom simpelnReitknecht zum Sattclmeistcr; es geht solchen, wie gewissen Leuten,die sich nicht anders auf den Stuhl setzen können, als rittlings, odergewissen Damen, die nicht anders auf dem Sopha sitzen, als mituntergeschlagenem Fuße, wie Schneider. Onkel Tobt, ließ sich denRiß von Namur, wo er verwundet worden war, zur Versinnlichungseiner Erzählungen kommen; später hatte er alle Festungsriffe beisam-men, wie Don Qnixotc Ritterromane, und endlich baute er gar dieBeste Shandyhall auf Ist- Ruthen. Selbst die Steckenknechte, wie dieGehülfen der Profosen heißen, handhaben ihre Stecken mit einer ArtLiebhaberei, die ihnen Jeder gerne erlassen würde» der sich mit ihnenbefassen muß.
Steckenreiterei bringt Poesie in die Prosa des Lebens und Be-rufes, nährt die Seele, wie das Amt seinen Mann, und ist die sichersteFreistätte, wohin man sich flüchten kann, wenn es von außen trüb ist,bis der Sturm vorüberbraust. Wohl uns, daß der Blick ins Kleinenicht selten beseligt, wenn der ins Große niederschlägt oder versagtist. Dieser beschäftigte Müßiggang ist wie gemacht für ältere, sich zurRuhe gesetzt habende bemittelte Leute, der sie gleichsam den Jahrensorgloser Kindheit wiedergibt und Lebenskraft nnd Gesundheit aufrechthält. Es liegt etwas Liebenswürdiges darin, mag man auch darüberlachen; die Steckenreitcr lachen selbst gutmüthig mit, wenn sie andersihr Steckenpferd erkannt haben als Steckenpferd. Sie leben heiterund ruhig, bis Freund Hain an ihre Zelle klopft; einige ordnen ihreUhren, andere ihre Bilder oder Bücher, schreiben wohl selbst Bücher,woran sie vorher gar nicht dachten, oder wenigstens Briefe, und wiederandere füttern Mopse, Katzen, Böget, oder warten Blumen in derZeit, wo sie sich nicht selbst füttern, rauchen oder schlafen. Unsereguten Großmütter fanden die beste Gesellschaft in ihrem Spinnradeund klagten, wenn sie so alt wurden, daß sie den Faden nicht mehrzwischen den Fingern fühlten. Andere verhandeln zuletzt gar noch ihrSteckenpferd um Spottpreise, haben so viel Ehre imLeib, solches zu striegelnund herauszuputzen, und lassen sich selbst noch die Korrektur aufhalsen.