Mau kann lächeln über die Schwachheit der Stcckenreiterci; aberist es nicht mehr als Goldes werth, daß ein neuer Käfer oder Schmet-terling , eine vertrocknete Pflanze oder ein Stein, ein altes Buch oderein Kupferstich rc. uns Glück und Heiterkeit wiedergeben, die wirverloren hatten oder umsonst suchten unter Menschen und auf derBühne der Welt? Wie glücklich machen nicht häusliche Steckenpferdein beschränkten Umständen oder in Jahren, wo lebhaftere Freudenaufhören, und wenn man auch nur für Enkel oder Neffen hölzerneSteckenpferde ringelt, Peitschen fertigt oder fürs Haus Mausfallenvon Ziegel mit einem hölzernen 4. Asmns Steckenpferd und Ehren-sprnng, wer kennt ihn nicht? Es ist das Steckenpferd vieler Land-prediger und Landbewohner; das zwölfte Kind im Arm sprechen sie:„Du bist da, sei willkommen! es steht dir nicht an der Stirne, wasaus dir werden wird, aber du bist da, und der Vater im Himmelwird für das Uebrige sorgen," und dann die Kinder alle auf die Erdegelegt und in Gottes Namen oben darüber hinweg und über Tischeund Bänke — Seht, wie ihr fortkommt!
Originelle Menschen reiten Schlachthcngstc, die Mehrzahl bloßeKlepper und Stuten, und ich muß es dem geneigten Leser überlassen,ob er dieses Werk, das viele Jahre mein Steckenpferd war, vieledüstere Stunden mir erheitert und die Wunden, die niir rohe Jg-noblessc schlug, geheilt hat, für mehr als einen Klepper ansehen will.Einer meiner ältesten Freunde, den ich einmal mit seinem Stecken-pferde Amerika anzapfte, weil ich nicht ahnte, daß er so kitzlich seiund ausschlagen würde, fragte mich: „Hast Du kein Steckenpferd?"Er war ruhig mit der Antwort: O ja, einen ganzen Stall voll! obich gleich hinzusetzte: nur mit Amerikanern kann ich nicht aufwarten,ich halte sie noch für Wildlinge; meine Steckenpferde sind deutsch undleidlich, und von Kants kategorischem Imperativ,' der noch in derWiege liegt, erwarte ich, daß er in die Höhe wachse und noch bessereliefern werde. Wer kein Steckenpferd reitet, den reitet leicht derTeufel, und er ist schlimmer daran, als die, die gar nicht wissen, daßsie ein Steckenpferd reiten oder die nur lebendige, daher desto kostba-rere reiten, oder allzuviele. Es ist besser, wenn man nur eins reitet,das man kennt, daher leichter Herr und Meister bleibt, am allerbestenaber, wenn das Steckenpferd mit unserm Weltbcrufe harmonisch ineinem Stalle ist. Alle möglichen Steckenpferde, nur keine Traucr-,pferde; es gibt der Kreuze schon mehr als zu viele, und nur zu leichtt Der unbedingte Beseht, den das moralische Selbstbewußtsein sich selbst gibt.