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daher auch Geßners Ruf durch Europa nicht von Deutschen, sondernvon Franzosen ausging, denen das Phänomen des Naiven am meistenauffallen mußte; und mit dieser Erklärung werden sich die modernenHasser der französischen Sprache, denke ich, zufrieden geben. DerWeise ist allezeit aufrichtig und schweigt bloß, wo er nicht sagen darf,was er denkt; mit geprüften Freunden ist er aber offenherzig, undwo es die Pflicht erfordert, auch freimüthig, und das ist in unsernegoistischen Zeiten wahrlich genug.
Das Naive ist bald das Erhabene des Natürlichen, bald eineSchattiruug des Niedrigen, bald gleicht es der Laune in seinem Ernste,ja es wäre ohne solche Nebenbeziehungen ein Unding, denn iinGrunde ist es eine bloße rhetorische Figur und eine gewisse Aeuße-rung des Witzes mittelst besonderer Charakterstimmung. Die Naturcontrastirt mit der Kunst, solche beschämend; das Naive der Uebcr-raschung macht uns lächeln, und das der Gesinnung rührt. Allewahren Genies sind naiv, und die meisten großen Männer hatteneinen naiven Charakter. Chlodewig ruft bei Anhörung der Passion:„Warum war ich nicht mit meinen Franken da!" Karl der Großeunterzeichnete mit dem Degenknopfe: „Mit der Spitze werde ich's be-haupten." Heinrich IV. schrieb seinem Crillon: koncks tot, nousarons oomdattn ot tu n'v ötais I>as, r und Crillon selbst, als ihnsein König im Kreise des Hofes auf die Schulter schlug: Voilä loPremier onpitaine äu moiiäe , cutgcgnete: Vene en avvr msnti, 8ir,v'sst voas!^ Naivkomisch war jener Gascogner, dessen RegimentBefehl hatte, keinen Pardon zu geben; ein Gefangener bat umPardon, und er sagte ihm mit aller französischen Artigkeit: Lloneisur,äemanäor-moi tonte eüvss, mais xour la vis, pas moxsn. °Und unsereFriedriche und Josephe lieferten sie nicht Naivetäten genug? Mannennt sie aber schicklicher Bonmots.
Einfalt im Aeußern, Würde und Wichtigkeit im Innern, einfacherAusdruck eines schönen Gedankens, die Unbesorgtheit der Unschuld umfalsche Auslegung, Zuversicht und Offenherzigkeit bei Unwissenheit desWeltgebrauches, welche nicht Dummheit, sondern Herzensgüte und Ver-trauen zum Grunde haben, machen dasNaive des sittlichen Charakters, dasan das Rührende und Erhabene grenzt. Der Verstand wohnt da nochiin Gefühle, und im unverdorbenen Gefühle ist meist Wahrheit. Das
i Hänge dich, wir haben eine Schlacht geliefert und du warst nicht dabei. — r Hierist der erste Feldherr der Weit. — Ihr lügt, Sire, Ihr seid er. — » Mein Herr bitten Sirmich um Aller, war aber da» Lebe» betrifft, so rann ich nicht helsen.