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und Amyots Plutarch verdient noch heute wegen der Naivetät denVorzug vor neuern bessern Übersetzungen. Wie naiv ist z. B. nichtsein: tu tions vssuooug äs von gropos saus propos? und die Naive-täten eines Brantome? Sie herrschen auch in ältern deutschenSchriften, namentlich bei Luther:
Wilt du werden alt, so werde bald alt,
Halt fein den Kragen warm,
Fäll nicht zu sehr den Darm,
Mach dich der Grethc nicht zu nah,
So wirst du langsam werden graw!
ja selbst in seinen Katcchismusfragen und Antworten, z. B.: Bist duein Sünder? — Ja, ich bin leider ein großer Sünder. — Und wo-her weißt du das? — Aus den zehn Geboten, die hab ich nicht ge-halten. Das Komischste war wohl, daß solche so stereotyp im Gedächtnißwaren, daß ein Mädchen, die in der Katechismnslchre noch vor demAltar erscheinen mußte, wo sie schon an den Altar Hymens denkenmochte, eine Antwort zerstreut mit der andern verwechselte und aufdie Frage: „Bist du ein Christ?" erwiderte: „Ja, ich bin leider eingroßer Christ!" In vielen Stammbüchern findet man, so krumm alsmöglich, geschrieben:
sunt f»ta kominum; ^
Ach, gingen sie doch nicht so krumm!
und ein v. Bellinghausen, der 1618 sein Geschlechtsrcgister schrieb unddie Unfälle einer gewissen Fräulein Gertrud erzählt, schließt zum Trostmit den gottseligen Reimen:
Weil Gott die Seinen nicht verläßt,
Starb sie hernach bald an der Pest.
Schon Lichtenderg bemerkte, daß die Sprache des Volkes denAusdruck naiver mache, weil die Einfachheit der Gesinnungen auchnoch durch die der höhern Welt unbekannte Sprache gehoben werde,was vorzüglich vom Plattdeutschen gilt. Unsere Dichter haben daherden Bolksdialckt in das Lustspiel und die komische Oper wieder eilige-führt, sogar die Franzosen, die doch sonst mit ihrer Sprache weitekler sind. Das Plattdeutsche (höflicher Niederdeutsche) ist naiver, alsalle andern deutschen Dialekte, weicher, sanfter und nicht selten reicher;
> Gott hat da seinem Bild- rech, den Kops gewaschen. - - So schon die Weg- d-r