191
armen Weiber wagten schon das Leben, wenn sie ein Schlückchcn Weinzu sich nahmen; die Sklavinnen mögen ihnen schon manchen Verdrußgemacht haben, und die Achtung des Weibes ging endlich ganz ver-loren durch schändliche Männerliebc und Buhlerinnen, die allerdingsuzehr Bildung haben mochten, als das beschränkte Hausthier, das bloßals Form zu Kindern betrachtet wurde; daher wir auch nichts vonseufzenden Liebhabern, von unglücklichen Ehemännern oder Selbstmör-dern aus Liebe bei den Alten lesen. Die Priesterinncn der öffentlichenVenus, wenn sie auch schwerlich den Hetären erster Klasse von Paris,London, Venedig rc. gleichkamen, begeisterten selbst Philosophen; Epi-kur philosophirte mit der Lcontium; Diogenes und Aristipp schliefenbei der Lais, wie Menandcr bei Glycere; Aristoteles erzeugte mit derHhperillis seinen Nicomachns; Crates bewies öffentlich und practischin der Stoa mit der Hipparchia: dlaturalia non sant tnrpia;' So-krates und Praxiteles begegneten sich bei Aspasia, wie St. Evrcmondund Cond6 bei der Ninon. Unter solchen Umständen scheint von keinerveredelten Liebe, dem höchsten Gut der Sterblichen, die Rede gewesenzu sein, höchstens von öffentlicher Achtung; denn bei Plautus undTcrcntius genießt die Matrone stets Achtung, nicht so die Hetäre.
Noms Wcltcrobcrung war die Epoche des Sittenverfalls; dieAgrippincn, Fulvicn, Meffalinen, Faustincn rc. spielten Rollen, wiesie nie zu London und Paris gespielt wurden; Nerv's Popäa brauchtejeden Morgen zum Baden die Milch von fünfzig Eselinnen, und ganzRom feierte die Florcalia (1. Mai) zum Andenken einer Hure Flora,die ihre Reichthümer dem Staat vermacht hatte. Ehescheidung warSpiel, und Damen zählten ihre Jahre nicht mehr nach Cvusules, son-dern nach der Zahl ihrer Männer; der Venus waren ja Sperlinge,Tauben, Ziegen und Hasen heilig, der Daumen und die Zahl 6 (dasunschuldige s geht bloß den Spiegel an). Indessen brachten ja auchnoch im ernstcrn, unverdorbenen: Rom Weiber den Cvrivlan, denganz Rom nicht zu seiner Pflicht zurückbringen konnte, zurück, dieMutter Vetnria und sein Weib Volumnia. Das Pantoffelholz schwimmtüberall obcn l
In der ganzen langen Römergcschichte gestillt den Damen nichtsso wohl, als Antonius, der in der Schlacht von Actinm die Herrschaftder Welt aufgab, um den Pnrpursegcln seiner fliehenden Cleopatrauachzusegeln. Besser als diese Buhlcrin aber war Cornelia, die Mut-ter der Gracchen, die, allen Luxus verachtend, auf ihre Kinder zeigte:
' Natürliche Dinge sind nicht schimpflich.