246
vavs! ^ sie lies wieder fort und brachte Kaffee. Griechisch verstehen jatausend Mannspersonen nicht, wer wird also der Frau nicht verzeihen,die versichert, daß jede Anstrengung ihrem lieben Gatten Homeridcn(Hämorrhoiden) zuziehe. Desto beliebter ist die Sprache Galliens, undda jene Dame wußte, daß man zum König Sire sagt, und dabei auchdie Mythologie der Alten vollkommen einstudirt hatte, so nannte siedie Königin Sirene. Mehrere Damen tadelten Milton, daß er seineTöchter keine fremde Sprache lernen lasse: „O, eine Sprache ist schongenug für Weiberzuugcn!"
Lichtcnbergs Kammerjungser schwur: „Bei Gott, ich bin eineAtheistin!" und doch muß ich den Preis einer andern Kammerjungser(die rühmlichst gar viel lesen) zuerkennen, dem schönen Tuschen. Aufder Reise nach Nürnberg wußte sie unerwartet viel von dem schönenAlbrecht Dürer zu plaudern, verstand aber, wie sich's an Ort undStelle zeigte, bloß dürre Lebkuchen darunter, und da ihr das häufigeInn. hinter den Pflanzennamcn auffiel, ließ sie sich's vom Herrn Kam-merdiener dahin erklären, daß lün unser deutsches Wort klein sei, con-trahirt in In», ihr werther Name Tuschen also lateinisch geschriebenwerden könnte: 8ns, Ina. Tuschen nannte auch den Namen desMeisters der schönen Christusbildcr ckL'lis, hielt den L>a 6axo fürden größten Musiker, und sagte einem Schüler, der von Gasartensprach : „Rcindcutsch würden Sie bester sprechen: Geisarten."
Einst stellte man einer Dame Schöngeist einen Mann vor alshöchst geistreich und witzig; sie machte hundert Fragen, ohne eine Ant-wort abzuwarten, lobte ihn außerordentlich, als er fort war, und dieserPlann war stumm. Weniger Anspruch auf Schöngeist machen dielieben Wienerinnen, wie eine Apollomaske versichern will, die dreiArm in Arm im Saale auf- und abgehenden Schönen sagte: „Darfsich Apoll an die Grazien anschließen?" und die Antwort erhielt: „Eskann wohl sein, daß der Herr a Pol is, aber wir, wir sind keineGrazcrinncn." Schon aus der ökonomischen Frage jener Frau, beiwelchem Lichtzicher die langdaucruden, schön hellen Nordlichter zu über-kommen? läßt sich schließen, daß sie sich nicht mehr um Literatur be-kümmert hat, als die schönen Wienerinnen, welche die Rootoro» primwolassis' für die Verfasser der Classiker halten, und wer möchte auchbei ihnen an todte Literatur denken, so wenig als die schöne Schchersad,wenn sie den Sultan in den Schlaf lullt.
Es ist ein Glück, daß sich so viele auf Korrespondenzen beschränken;
> Ich bin Geistlicher, darum hs,i! dich. — b Vorsteher der ersten Masse.