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vita eins litsris mors sst, ' sagt Seneca, das Motto vieler Gelehrten;sie müssen es aber buchstäblich nehmen, und übersetzen: Briefe schrei-ben gehört zum Leben! Paulus schrieb seine Briefe an die Korintheraus einer sehr legalen Ursache, weil er nicht zu Korinth sein konnte;sie aber schreiben von Haus zu Haus, weil sie eben schreiben wollen.Wenn man die berühmten Briefe der Herzogin Charlotte von Orlcansnach Hannover gelesen hat, weiß man nicht, was man wünschen soll,ob, daß die Prinzessinnen viele solcher Briefe schreiben, oder daß siewenigstens die Nachwelt damit verschonen möchten. Sie schrieb Briefevon zwanzig Seiten, die der Prinzessin von Wales enthalten oft 40;sie schrieb sich müde und die Finger lahm, wie sie selbst sagt. Mankann ihr aber viel verzeihen, weil sie deutsch schrieb, und wenn ihreBriefe nicht so schön stylisirt sind, als die berühmten Briefe der Ma-dame Sevignö, so sind sie doch nicht so sachlcer, wie diese, oder dieBriefe der Lepinassc, die Madame Spazier wohl hätte unverdentschtlassen können. Bei Correspondenzen läßt sich trefflich kokettiren mitschöner Handschrift, feinem Papier, Siegellack, Streusand und witzigemPetschaft. Mancher Geschäftsmann dürste Damen um ihre Schnellig-keit beneiden, wobei es ihnen aber auf Orthographie wenig ankommt;1832 und 10832, Kater oder Katarrh, Vetter Philipp oder Vieh-lieb ist gleichviel. In größter Eile schrieb jene ihrer Freundin: „Baldwerde ich nicht mehr sein, der Ungetreue! empfange meine letztenZeilen;" und im Postscript stand: „Wenn du mir wieder schreibst, sovergesse das neue Hütchen nicht, das Wetter ist abscheulich. Gott seimeiner Seele gnädig!" Auf das Postscript wird oft die wichtigsteHerzensangelegenheit Verspart. Virginie schrieb einen sehr langen Briefan ihre Mutter aus Frankreich, ohne Pauls mit einen: Worte zu er-wähnen, aber sie machte Alles wieder gut in der Nachschrift; undRabcncrs Prcdigcrwittwe bittet den jungen Nachfolger bei ihr abzu-treten, gibt Nachricht über die Pfarreiverhältnisse, und in einen: ?. 8.heißt es: „Ich habe nur ein Kind, ach! das arme Würmchen lebt auchnicht lange; welch Herzeleid bei allem meinem Gelde und erst zweiund-zwanzig Jahre!"
Diesen gelehrten, belesenen und fedcrfixen Damen möchte ich die-jenigen vorziehen, die sich wundern, daß die Welt schon 1832 Jahresteht, und wenn man ihnen erklären will, daß das bloß von ChristiGeburt an zu verstehen sei, einen bitten, sie nicht weiter zu belehren,indem sie es doch in der nächsten halben Stunde wieder vergessen wür-
> Da« Sehen ohne Wissenschaften (Briefe) ist ein todte«.