72
Erstes Buch. Zweiter Abschnitt.
oft die Betrachtung, verhüllt aber die Unwissenheit und führt zu I
Fehlern, wenn man sie als Erklärungsgrund ergänzend neben jene . d
Elemente setzt, mit deren Gesammtheit sie eins ist. s<
Für unsere Aufgabe ist wohl festzuhalten, dass ein für allemal si
Unwissenheit nicht die eigene Consequenz des Wissens,phantastische Willkür nicht die Consequenz der Methode sein ii
kann, dass Aufklärung nicht und nie für und durch sieh selbst w
zum Aberglauben zurückleitet, e:
Wir haben gesehen, wie im Alterthum unter dem Fortschritt der n
Aufklärung, des Wissens, der Methode, die geistige Aristokratie von b
den Massen sich löste. Der Mangel einer durchgreifenden Volks-bildung musste diese Lösung beschleunigen und tödtliolier machen. j d
In den abergläubischen Massen begann der zunehmende Völker- | ei
verkehr die Religionen zu mischen. Orientalische Mystik hüllte sich !in hellenische Formen. In Rom, wo die besiegten Nationen zusammen- C
strömten, gab es bald nichts mehr, das nicht Gläubige fand, wie es ! b:
nichts mehr gab, das nicht von der Mehrzahl verspottet wurde. Dem j«
Fanatismus der Verblendeten stand liier nur leichtfertiger Holm oder L
blasirte Gleichgültigkeit gegenüber; die tiildung schroffer, wohl dis-ciplinirter Parteien musste bei der allgemeinen Zersplitterung der In- A
teressen unmöglich sein. vi
In diese Masse drangen durch die unglaublich angeschwollene | je
Literatur, durch desultorisclie Studien unberufener Geister, durch dentäglichen Verkehr abgerissene Elemente wissenschaftlicher Errungen- j 11
schäften ein und erzeugten jenen Zustand der Halbbildung, den di
man auch an unseru Tagen, jedenfalls mit geringerem Grunde, charak- • ' 11
teristisch finden will. Man darf aber nicht vergessen, dass eben diese < Zi
Halbbildung vor Allem auch der Zustand der Reichen und Mach- T
tigen, der einflussreichen Männer war, bis auf den Kaiserthron. Die j A
vollendetste Weltbildung, feine gesellige Formen und ein grossartiger | di
lleberblick der Verhältnisse sind im philosophischen Sinne nur zu oftmit der kläglichsten Halbheit vereinigt, und die Gefahren, die man j dt
den Lehren der Philosophen andichtet, pflegen sich in solchen Kreisen, ! R
wo die geschmeidige, principlose Halbbildung nur der natürlichen i ze
Neigung oder der entfesselten Leidenschaft dient, allerdings zu ver- dt
wirklichen. ! 11
Wenn Epikur in grossartiger Erhebung die Fesseln der Religion II
zu Füssen warf, um zur eignen Lust gerecht und edel zu sein, so v(
kamen jetzt jene verruchten Günstlinge des Augenblicks auf, wie schon W: