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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die Uebergangszeit.

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jedoch die ganze Entwickelung der materialistischen Psychologie höchstunvollkommen. Die Psychologie überhaupt gerieth nur in eine trübeGährung, welche bald wieder eine reactionäre Wendung nahm, weilauf diesem Gebiete für einstweilen jene gewaltigen Pfeiler empirischerBeobachtung mangelten, die den Wissenschaften der äusseren Naturihre Sicherheit gaben. Immerhin aber bleibt die Bewegung, welchein jener vielbewegten Zeit auch die Seelenlehre ergriff, von grosserWichtigkeit für unseren Gegenstand.

Der Grundzug, der damals durch allle Gebiete geistigen Lebensging, war ein Zurückgehen auf die Quelle des Wissens, ein Fragennach der Berechtigung der Tradition und das Streben, in allen Ge-bieten den Grund erst zu untersuchen oder neu zu legen, bevor manweiter baue.

Dies Streben hatte aber anfänglich einen philologisch-kritischenCharakter, und innerhalb der Philosophie war daher der erste Schrittnoch keineswegs der, dass man den Aristoteles verwarf, sondern viel-mehr der, dass man den wahren Aristoteles ans Licht zog und ihnden falschen aristotelischen Ueberliefenuigen der Scholastiker gegen-über stellte.

In dieser Hinsicht machte das Auftreten des Italieners PetrusPomponatius Epoche. Er verdient für uns um so mehr eine kurzeBerücksichtigung, als sein Auftreten gerade solche Punkte betrifft,deren Discussion später in die materialistische Frage vornehmlichübergegangen ist.

Im Jahre 1516 erschien zu Bologna sein Buch von der Un-sterblichkeit der Seele. Erst drei Jahre vorher hatte ein Con-cilium zu Benevent zwei Ansichten von der Unsterblichkeit verdammt,die beide auf Aristoteles fassten: die eine, dass die Seele schlecht-hin mit dem Körper sterbe, die andere, dass sie in das allgemeineDenken zurückkehre, aus dem beständig Individuen hervorgingen.Die erste dieser Ansichten stützte sich auf Alexander von Aphro-disias, einen Lehrer der peripatetischen Philosophie zu Bom unterKaiser Severus, die andere auf den arabischen Connnentator Averroes,denen beiden gegenüber die Scholastiker nach Thomas von Aquinodie Unsterblichkeit aus ihrem Aristoteles glaubten beweisen zu können.Pomponatius ging auf den ächten Aristoteles zurück und kam zudem Resultate, dass es nach den Begriffsbestimmungen dieses Philo-sophen unmöglich sei, die Unsterblichkeit der Seele zu erweisen;denn die Form sei von ihrem Körper unzertrennlich. Das Denken