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Erstes Buch, /weiter Abschnitt.
des Menschen bedürfe nach Aristoteles der Ansehauungen, und An-schauungen seien nur durch Vermittelung der Sinne denkbar. Dasmenschliche Denken erkennt das Allgemeine nur im Besonderen, esist niemals raumlos und zeitlos, da seine Vorstellungen in räumlichenAnschauungen wurzeln und zeitlich auf einander folgen. Jenes all-gemeine Denken ist aber überhaupt nur eine Abstraction; ein natur-loser Gott ist ebenso undenkbar als eine gottlose Natur, da beidediese Begriffe nur Abstractiouen sind, während allein die Totalitätdas wahre volle Wesen und Leben hat. Pomponatius hielt nun zwardieser von ihm selbst nachgewiesenen Conscquenz gegenüber am kirch-lichen Bekenntniss der Unsterblichkeit fest, indem er angab, dassdie Offenbarung da Kühe und Gewissheit gebe, wo die Philosophienur ein immerwährendes Zweifeln und Streben hervorbringe.
Allein im Grunde war seine Philosophie keineswegs der Art,dass sie ihn in Zweifeln und Unruhe gelassen, aus denen die dankbarergriffene Hand der Religion ihn sodann gerettet hätte. Er begnügtesich keineswegs damit, zu zeigen, dass man aus der Philosophie nichtsüber die Unsterblichkeit der Seele wissen könne, sondern er unter-nahm es auch in edler Ereimiithigkeit den Walm zu bekämpfen, alsmüsse mit dem Glauben an die Unsterblichkeit zugleich jede Grund-lage der Sittlichkeit fallen.
„Die Tugend ist an sich selber herrlich und wägt ihren Lohnin sich selber, wie das Laster seine Strafe und sein Elend; ein edlerTod ist einem Leben voll Schmach und Schande vorzuziehen, undder Aussicht auf Himmel und Hölle bedürfen zur Zügelung ihrer Be-gierden nur diejenigen, welche die Würde der Tugend nicht erkennen.Damit wird Gott nicht zum Tyrannen, wenn es einmal einem gutenMenschen äusserlich schlecht geht, während er doch die wahre Zu-friedenheit in seinem Bewusstsein trägt, dagegen der lasterhafte beiallem Prunk und Schimmer an innerem Elend leidet. Wenn der Eineohne auf Lohn zu hoffen gut handelt, der Andere dagegen aus Rück-sicht auf künftige Vergeltung, so ist die Tugend des Ersteren reiner,sein Glück wesentlicher. Als Aristoteles gefragt wurde, was er derPhilosophie verdanke, gab er zur Antwort: dieses, dass ich aus Liebezur Tugend und aus Abscheu vor dem Laster tliue, was Ihr aus Hoff-nung auf Lohn oder aus Furcht vor der Strafe timt.“
„Aber ist nicht die ganze Welt betrogen, wenn die Seele stirbt,da doch alle Gesetze und positive Religionen das Gegentheil annehiuen?— Kein Mensch ist ganz von Irrthum frei, und weiter muss man