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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die Uebergangszeit.

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durch directe Untersuchung auf dem Wege des Experiments.Trotz dieser seltenen Klarheit über die wahren Grundlagen der For-schung greift Yives in seiner Psychologie doch nur selten in 'dasLeben, um eigene oder fremde Beobachtungen mitzutheilen. DasKapitel von der Unsterblichkeit der Seele ist durchaus rhetorischgehalten und führt in der bis auf unsere Tage noch beliebten Maniermit den oberflächlichsten Gründen einen scheinbar unwiderleglichenBeweis. Und doch war Yives einer der hellsten Köpfe seines Jahr-hunderts, und seine Psychologie ist, namentlich in der Lehre vonden Affecten, reich an feinen Bemerkungen und treffenden Charakter-zügen.

Auch der wackere Züricher Naturkundige Konrad Gessnerschrieb um dieselbe Zeit eine Psychologie, die nach Inhalt und Be-handlungsweise interessant ist. Nach einer äusserst gedrängten, ta-bellenartigen Zusammenstellung aller möglichen Ansichten über dasWesen der Seele folgt in raschem Uebergang eine ausführliche Lehrevon den Sinnen. Hier fühlt Gessner sich heimisch und verweilt mitBehagen bei physiologischen Erörterungen, die zum Tlieil sehr ein-gehender Natur sind. Einen eigenthümlichen Eindruck macht es da-gegen, im ersten Th eil des Werk eliens das furchtbare Chaos derAnsichten und Meinungen über die Seele gleichsam mit einem Blickzu überschauen. „Einige halten“, wie Gessner mit unwandelbarerGemüthsruhe uns mittheilt, „die Seele für nichts, andere halten siefür eine Substanz.“

Nach allen Seiten sieht man so die alte aristotelische Ueber-lieferung erschüttert, die Ansichten in Fluss gebracht und Zweifelerregt, die sich wahrscheinlich in der Literatur nur zum geringstenTheile kund geben. Sehr bald aber wird die Psychologie, die vomEnde des sechzehnten .Jahrhunderts ab ausserordentlich zahlreiche Be~arbeitungen fand, wieder systematisch, und die Gährung der Ueber-gangsperiode macht einer dogmatischen Scholastik Platz, deren wich-tigster Gesichtspunkt bleibt, sich der Theologie anzubequemen.

Während aber die Theologie das Feld der Geisteslehre nochvöllig beherrschte und wüthende Streitigkeiten die Stimme des ruhigenUrtheils übertäubten, legte im Stillen auf dem Gebiete der äusserenNatur die strenge Forschung einen unerschütterlichen Grund zu gänz-lich veränderter Weltanschauung.

Im Jahre 1543 erschien, dem Pabste gewidmet, das Buch vonden Bahnen der Himmelskörper von Nikolaus Kopernikus