Die Uebergangszeit.
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zu bezeichnen ist, so hat es doch zum Materialismus so viele Be-ziehungen, dass wir uns einer Berücksichtigung nicht entschlagenkönnen.
Während Kopernikus an pythagoreischen Ueberlieferuugen hing— bezeichnete doch später die Index-Congregation seine ganze Lehreeinfach als eine doctrina PythagoTica — nahm Bruno sich Lucrezzum Muster. Die uralte epikureische Lehre von der Unendlichkeitder Welten griff er höchst glücklich auf und lehrte, indem er sie mitdem kopernikanischen System verband, dass alle Fixsterne Sonnenseien, die sich in endloser Zahl durch den Weltraum verbreiten undwieder ihre unsichtbaren Trabanten haben, die sich zu ihnen ver-halten wie die Erde zur Sonne oder der Mond zur Erde: eine An-
schauung, die gegenüber der alten Annahme eines geschlossenen Welt-raumes fast von ebenso grosser Bedeutung ist, als die Lehre vonder Bewegung der Erde.
Die Unendlichkeit von Formen, unter denen die Materie er-scheint, lehrte Bruno, nimmt sie nicht von einem Andern und gleich-sam nur äusserlich an, sondern sie bringt sie aus sich selbsthervor und gebiert sie aus ihrem Schoosse. Sie ist nicht jenes
prope nihil, wozu einige Philosophen sie haben machen wollen und
worüber diese in Widerspruch mit sich selbst gcrathen sind, nichtjenes nackte, reine, leere Vermögen ohne Wirksamkeit, Vollkommen-heit und That; wenn sie für sich selbst keine Form hat, so ist sienicht davon entblösst wie das Eis von der Wärme oder wie der Ab-grund von dem Licht, sondern sie gleicht der kreisenden Gebärerin,wenn sie die Frucht aus ihrem Schoosse drängt. Auch Aristotelesund seine Nachfolger lassen die Formen aus dem inneren Vermögender Materie vielmehr her vergehn, als auf eine gewissermassen äusser-liche Weise darin erzeugt werden; aber anstatt dies wirksame Ver-mögen in der innerlichen Bildung der Form zu erblicken, haben siees hauptsächlich nur in der entwickelten Wirklichkeit erkennen wollen,da doch die vollendete sinnliche und ausdrückliche Erscheinung einesDinges nicht der hauptsächliche Grund seines Daseins, sondern nureine Folge und Wirkung desselben ist. Die Natur bringt ihre Gegen-stände nicht wie die menschliche Technik durch Wegnehmen und Zu-sammenfügen, sondern allein durch Scheidung und Entfaltung hervor.So lehrten die weisesten Männer unter den Griechen, und Moses, daer die Entstehung der Dinge beschreibt, führt das allgemeine wirk-same Wesen also redend ein: „die Erde bringe hervor lebendige