DRITTER ABSCHNITT.
Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.
I. Gassendi.
M enn wir die eigentliche Erneuerung einer ausgebildeten mate-rialistischen Weltanschauung auf Gassendi zurück fuhren, so bedarfdie Stellung, welche wir diesem damit einräumen, einiger vertheidigen-den Worte. Wir legen vor allen Dingen Gewicht darauf, dass Gassendidas vollendetste materialistische System des Alterthums, das SystemEpikurs wieder ans Licht gezogen und den Zeitverhilltnissen gemässumgebildet hat. Allein gerade hierauf hat man sich gestützt, umGassendi aus der mit Iiaco und Descartes hereinbrechenden neuenZeit einer selbständigen Philosophie zurück zu weisen und ihn alsblossen Fortsetzer der überwundenen Periode der Reproduction alt-elassischer Systeme zu betrachten.
Hierin liegt eine Verkennung des wesentlichen Unterschiedes, derzwischen dem epikureischen und jedem andern alten Systeme im Ver-hältniss zu der Zeit, in der Gassendi lebte, bestand. Während dieherrschende aristotelische Philosophie, so sehr sie auch den Kirchen-vätern noch zuwider war, sich im Laufe des Mittelalters mit dem('hristenthum fast verschmolzen hatte, blieb Epikur gerade das Sinn-bild des extremen Heidenthums und zugleich des directen Gegensatzesgegen Aristoteles. Nimmt man hierzu den undurchdringlichen Schutttraditioneller Yerläumdungen, mit denen Epikur überhäuft war, undderen Haltlosigkeit erst hie und da einsichtige Philologen gelegentlichbemerkt hatten, ohne einen entscheidenden Streich zu führen, so muss