Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.
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Die Welt hält Gassendi für ein geordnetes Ganze, und es fragtsich nur, in welcher Weise sie dies ist; namentlich ob sie beseeltist oder nicht. Versteht man unter der Weltseele Gott, und soll nurbehauptet werden, dass Gott durch sein Wesen und durch seineGegenwart Alles erhalte, regiere und so gewissermassen beseele, somag dies immerhin gelten. Auch stimmen Alle überein, dassdie Wärme durch die ganze Welt ausgegossen sei; diese Wärmekönnte auch die Seele der Welt genannt werden. Jedochder Welt im eigentlichen Sinne eine vegetirende, empfindende oderdenkende Seele zu ertheilen, widerspricht der wirklichen Erscheinung.Denn die Welt erzeugt weder eine andere Welt, wie die Tliiere undPflanzen es thun, noch wächst sie oder ernährt sich durch Speiseund Trank; noch weniger hat sie Gesicht, Gehör und andere Func-tionen des Beseelten.
Ort und Zeit betrachtet Gassendi als etwas unabhängig für sichBestehendes, weder Substanz noch Accidens; wo alle körperlichenDinge auf hören, dehnt sich doch schrankenlos der Raum noch aus,und die Zeit floss vor Erschaffung der Welt so gleiclimässig dahinwie jetzt. Unter dem materiellen Princip oder der ersten Materieist diejenige Materie zu verstehen, welche sich nicht weiter auflösenlässt. So besteht der Mensch aus Kopf, Brust, Bauch u. s. w.; dieseTheile wieder aus Knochen, Nerven, Muskeln u. s. w.; diese sindgeformt aus Chylus und Blut; diese wieder aus der Nahrung, dieNahrung aus den sogenannten Elementen; aber auch diese wiederaus Atomen, welche also das materielle Princip oder die ersteMaterie sind. Daher hat die Materie an sich noch keine Form.Ohne materielle Masse aber giebt es auch keine Form, und sieist das beharrliche Substrat, während die Formen wechseln und ver-gehen. Daher ist die Materie an sich unzerstörbar und unerzeugbarund kein Körper kann aus Nichts entstehen, womit jedoch die Er-*Schaffung der Materie durch Gott nicht geleugnet werden soll. DieAtome sind sämmtlich der Substanz nach identisch, der Figur nachverschieden.
Die weitere Ausführung über die Atome, den leeren Raum, Niclit-theilbarkeit ins Unendliche, Bewegung der Atome u. s. w. folgt ganzEpikur. Bemerkenswerth ist nur, dass Gassendi die Schwere oderdas Gewicht der Atome mit der natürlichen inneren Fähigkeit der-selben sich zu bewegen identifieirt. Uebrigens ist auch diese Be-wegung von Anbeginn den Atomen durch Gott anerschaffen.