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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.
haben, die Fäden dieses Problems weiter zu verfolgen, da sie vomBoden der Erfahrung abführten.
Die Theorie der äusseren Natur, für welche die Atomistik sotreffliehe Dienste leistet, lag Gassendi überhaupt weit mehr am Ilerzeuals die Psychologie, in welcher er sich zur Abrundung des Systemsmit einem Minimum eigener Gedanken behalf, während Descartesauch, auf diesem Gebiete, ganz abgesehen von seiner metaphysischenIchlehre, eine selbständige Leistung versuchte.
An der Universität zu Paris, wo unter den alten Docenten diearistotelische Philosophie noch herrschend war, griffen unter denjüngeren Kräften sowohl die Ansichten Descartes’ als Gassendisimmer mehr um sich und es entstanden zwei neue Schulen, die derCartesianer und die der Gassendisten, von denen die eine im Namender Vernunft, die andere im Namen der Erfahrung der Scholastikden Garaus zu machen beflissen war. Dieser Kampf war um somerkwürdiger, als damals gerade die Philosophie des Aristoteles unterdem Einfluss einer reactionären Zeitrichtung einen neuen Aufschwunggenommen hatte. Der Theolog Launoy, übrigens ein grundgelehrterund vergleichsweise freisinniger Mann, ruft bei Erwähnung der An-sichten seines Zeitgenossen Gassendi voll Staunen aus: „Wenn dasRamus, Litaudus, Yillonius und Clavius gelehrt hätten, was würdeman mit jenen Menschen angefangen haben!“
Gassendi fiel der Theologie nicht zum Opfer, weil es ihm be-8chieden war der Mediciu zum Opfer zu fallen. Eine Fiebercur nachWeise der Zeit hatte ihm alle Kräfte geraubt. Vergeblich suchte ereine Zeit lang in seiner südlichen Heimath Erholung. Nach Pariszurückgekehrt, wurde er wieder vom Fieber ergriffen, und dreizehnneue Aderlässe machten seinem Leben ein Ende. Er starb den 24. Oc-tober 1655 im 63. Jahre seines Alters.
Die Reform der Physik und der Naturphilosophie, welche mangewöhnlich Descartes zuschreibt, ist mindestens ebenso sehr Gas-sendis Werk. Vielfach hat man, in Folge der Berühmtheit, welcheDescartes seiner Metaphysik verdankt, geradezu auf diesen zurück-geführt, was richtiger Gassendi zuzuschreiben wäre; es brachte aberauch die eigenthiimliche Mischung von Gegensatz und UebereinstimmungBekämpfung und Bundesgenossenschaft zwischen beiden Systemen esmit sich, dass die von ihnen ausgehenden Ströme sich vollständigmischten. So war Ilobbes, der Materialist und Freund Gassendis,Anhänger der Corpuseulartheorie Descartes’, während Newton sich