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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.

eigentliche Stützpunkt dieser Glaubenstheorie aber findet sich in Hobbespolitischem Systeme.

Bekanntlich gilt Hobbes als Begründer der absolutistischen Staats-lehre, die er aus der Nothwendigkeit ableitet, dem Kriege Aller gegenAlle durch einen obersten Willen zu entgehen. Er nimmt an, dassder Mensch, von Natur auf die Wahrung seiner persönlichen Interessenbedacht, selbst bei angeborener Friedensliebe nicht leben könne, ohnedie Interessen Anderer zu verletzen, indem er nur bestrebt ist seineeigenen zu wahren. Hobbes leugnet den aristotelischen Satz, dassder Mensch gleich der Biene, der Ameise, dem Biber, von Naturschon ein staatenbildendes Thier sei. Nicht durch politischen Instinkt,sondern durch Furcht und Vernunft komme der Mensch zur Ver-einigung mit Seinesgleichen, zum Zweck der gemeinsamen Sicherheit.Mit eigensinniger Consequenz leugnet Hobbes nun auch jeden abso-luten Unterschied zwischen Gut und Böse, Tugend und Laster. Dereinzelne Mensch kann daher auch gar nicht zu irgend einer gültigenFeststellung dieser Begriffe gelangen; vielmehr lässt er sich lediglichdurch seinen Vortheil leiten, und so lange der höhere Wille desStaates nicht besteht, ist ihm daraus so wenig ein Vorwurf zu machen,als dem Raubthier, welches die schwächeren Thiere zerreisst.

Obwohl diese Sätze streng untereinander und mit dem ganzenSysteme zusammen hängen, so hätte doch Hobbes, ohne sich zuwidersprechen, wenigstens das Vorhandensein eines politischen Natur-triebes und sogar einer natürlichen Gravitation zur Annahme solcherSitten, welche einen möglichst glücklichen Zustand Aller verbürgen,als wahrscheinlich annehmen können. Die Leugnung der Willens-freiheit, welche bei Hobbes selbstverständlich ist, hat noch keines-wegs die Ethik des Egoismus zur nothwendigen Folge; es sei denn,dass man in unnatürlicher Erweiterung des Begriffes auch das Streben,seine Umgebung glücklich zu sehen, insofern dadurch eine natürlicheNeigung befriedigt wird, egoistisch nennen will. Hobbes kennt dieseunnatürliche Begriffserweiterung nicht; der Egoismus seiner Staaten-gründer ist ein reiner, voller und ungekünstelter Egoismus, in demSinne, in welchem dieser Begriff gerade den Gegensatz der persön-lichen Interessen gegen die fremden und gegen die gemeinsamen be-deutet. Hobbes, der die heuristische Bedeutung des Gefühls zu geringanschlug, verwarf mit der natürlichen Neigung zum Staatsleben undzur geistigen Erfassung und Aneignung der allgemeinen Interessenden einzigen Weg, der ihn noch von seinem materialistischen Stand-