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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.
geradezu identisch sind. Hobbes verweilt nicht gern bei diesen Con-sequenzen seines Systems und malt die Vortheile eines absolutistischenErbkönigthums mit Vorliebe aus; allein die Theorie wird dadurchnicht geändert. Der Name „Leviathan“ ist nur zu bezeichnend fürdies Ungethüm von Staat, welches von keinen höheren Rücksichtengeleitet, wie ein irdischer Gott Gesetz und Urtheil, Recht und Be-sitz nach Belieben ordnet, sogar die Begriffe von gut und bösewillkürlich festsetzt und dafür Allen, die vor ihm auf die Knieefallen und ihm opfern, Schutz des Lebens und des Eigenthumsgewährt.
Zu der absoluten Staatsgewalt gehört nun auch dass Recht überdie Religion und die ganze Denkungsweise der Unterthanen zu ver-fügen. Genau wie Epikur und Lucrez leitet auch Hobbes die Religionaus Furcht und Aberglauben her; allein während jene eben deshalbdie Erhebung über die Schranken der Religion als die höchste undedelste Aufgabe des Denkers hinstellen, kann Hobbes diesen gemeinenStoff für die Zwecke seines Staates sehr wohl verwenden. SeineGrundansicht von der Religion findet sich in einem einzigen Satzeso schlagend, dass man sich über die unnütze Mühe, die man sichoft mit der Theologie unseres Philosophen gegeben hat, billig wun-dem muss. Hobbes definirt nämlich so: „Die Furcht unsicht-barer Mächte, sei es, dass diese erdichtet, sei es, dass siedurch Tradition überliefert sind, ist Religion, wenn sie vonStaates wegen festgestellt, Aberglaube, wenn sie nichtvon Staates wegen festgestellt ist.“ Wenn Hobbes dann wenigeZeilen weiter mit der grössten Seelenruhe etwa den wunderbarenDurchgang der Israeliten dureh’s rothe Meer oder dergleichen biblischeUeberlieferungen einfach als Thatsachen erwähnt, so muss man dochwohl an seine Definition der Religion sich mit Staunen zurückerinnern.Der Mann, der die Wunder mit Pillen verglich, die man ganz hinunter-schlucken aber nicht kauen muss, konnte auch den Durchgang derIsraeliten gewiss nur deshalb nicht für Aberglauben halten, weil inEngland die Autorität der Bibel durch die Staatsgewalt festgesetztist. Man muss daher, wo Hobbes sich über religiöse Gegenständeäussert, immer drei Fälle unterscheiden. Entweder Hobbes sprichtdirect von seinem System aus — dann ist ihm die Religion nur einSpecialfall des Aberglaubens; oder er kommt gelegentlich aufEinzeln-heiten, bei denen er nur einen Satz seines Systems praktisch anwendet— dann sind ihm die Lehren der Religion einfach Thatsachen, mit