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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.

In Beziehung auf die Betrachtung des Weltganzen hält Hobbessich ausschliesslich an die erkennbaren, und nach dem Causalitäts-gesetz erklärbaren Erscheinungen. Alles, worüber man nichts wissenkann, überlässt er den Theologen. Eine bemerkenswerthe Paradoxieist noch in dem Satz von der Körperlichkeit Gottes enthalten, derjedoch keinen Theil des eigentlichen Systems bildet, sondern nur alsgelegentliche hypothetische Folgerung zu betrachten ist. Hätte manein recht vertrautes Gespräch zwischen Gassendi und Hobbes be-lauschen können, so würde man vielleicht einen Streit darüber ver-nommen haben, ob die allbelebende Wärme oder der allumfassendeAether als Gottheit anzusehen sei.

III. Yon Gassendi und Hobbes bis auf De la Mettrie und dasSysteme de la nature.

Fast ein volles Jahrhundert liegt zwischen der Ausbildung ma-terialistischer Systeme auf dem Boden der Neuzeit und zwischen jenerrücksichtslosen Schriftstellerei eines De la Mettrie, der mit besonderemWohlgefallen gerade jene Seiten des Materialismus hervorhob, welcheder christlichen Welt ein Aergemiss geben mussten. Allerdings hattenauch Gassendi und Hobbes sich den ethischen Consequenzen ihrerSysteme nicht völlig entzogen; allein beide hatten auf einem Umwegeihren Frieden mit der Kirche gemacht: Gassendi durch Oberflächlich-keit, Hobbes durch eine eigensinnige und unnatürliche Consequenz.Liegt schon hierin ein durchgreifender Unterschied zwischen denMaterialisten des siebzehnten und denen des achtzehnten Jahrhunderts,so ist doch die Kluft, ganz abgesehen vom specifisch Kirchlichen,in der Ethik weitaus am grössten. Während De la Mettrie, ganz inder Weise der philosophischen Dilettanten des alten Rom, die Lustals das Princip des Lebens mit frivolem Behagen hervorhob unddurch seine niedrige Auffassung das Andenken Epikurs noch nachJahrtausenden befleckte, hatte Gassendi durchaus die ernstere undtiefere Seite der Ethik Epikurs hervorgehoben; Hobbes billigte, wennauch nach sonderbaren Winkelzügen, doch schliesslich die gewöhnlichechristlich-bürgerliche Tugendlehre, die ihm zwar als Beschränktheit