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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.

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electrischer Anziehung zeigen. Planlose Neugier und eitler Dilettan-tismus der Grossen vereinigten sich mit dem ernsten und gediegenenStudium der Fachmänner, und England gerieth auf eine Bahn desFortschrittes in den Naturwissenschaften, die als die Erfüllung derProphezeiungen Bacos erscheint. Hier war ein echt materialistischerGeist nach allen Seiten rege, der, weit entfernt davon, zerstörend auf-zutreten , vielmehr um dieselbe Zeit dies Land einer nie gesehenenBlütlie entgegen führte, zu welcher in Frankreich die Splitter des er-neuerten Epikureismus sich mit wachsender Bigotterie vereinigten, umjenen Mangel aller Grundsätze herbeizuführen, der die Zeiten vor demAuftreten Voltaires charakterisirt. Hier musste daher der Geist derFrivolität mehr und mehr zunehmen; während er in England eineDurchgangserscheinung bildete, die beim ersten Uebergang von denspiritualistischen Grundsätzen der Revolution zu den materialistischender grossen mercantilen Epoche hervortrat.

„Der Krieg zwischen Witz und Puritanismus,“ schreibt Macaulayvon jener Zeit, „wurde bald ein Krieg zwischen Witz und Sittlichkeit.Was nur immer die heuchlerischen Puritaner mit Ehrfurcht betrachtethatten, wurde verhöhnt; was sie verpönt hattten, wurde begünstigt.Wie jene den Mund nicht ohne eine Bibelstelle vorzubringen geöffnethatten, so that man es jetzt nicht ohne die derbsten Flüche. In derPoesie trat Drydens üppiger Stil an die Stelle Shakespeares, nach-dem in der Zwischenzeit eine puritanische Feindschaft gegen dieweltliche Poesie überhaupt alle Talente unterdrückt hatte.“

Um jene Zeit begann man die weiblichen Rollen auf dem Theater,die früher von Jünglingen gespielt wurden, den Schauspielerinnen zuüberlassen; die Anforderungen an die Licenz derselben stiegen immerhöher und das Theater wurde ein Mittelpunkt der Immoralität. Alleindie steigende Vergrösserungssuclit ging mit dem steigenden Erwerbs-trieb Hand in Hand, und Verkehr und Industrie erhoben sichgleichzeitig auf eine Höhe, die frühere Zeiten nicht hatten ahnenkönnen. Die Verkehrsmittel wurden verbessert, längst verlasseneSchachte wieder eröffnet, alles mit jener Energie, welche den Epochenmaterieller Schöpfungen eigen ist, und die stets, wo sie mächtigangeregt ist, auf Energie und Unternehmungsgeist in andern Be-ziehungen günstig zurückwirkt. Damals begannen die ungeheurenStädte Englands theils aus dem Boden hervorzuwachsen, tlieils sichin jenem riesigen Massstabe zu vergrössern, der binnen weniger alszwei Jahrhunderten England zum reichsten Land der Erde machte.