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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.

In England sclioss die materialistische Philosophie ins Kraut;es ist keine Frage, dass der ungeheure Aufschwung des Landes mitden Tliaten der Philosophen und Naturforscher von Baco und Hobbesbis auf Newton eben so innig zusammenhängt, als die französischeRevolution mit dem Auftreten Voltaires. Eben so leicht lässt sichaber übersehen, dass die Philosophie, die ins Leben aufgegangen war,sich selbst eben damit aufgegeben hatte. Die Vollendung desMaterialismus in Hobbes Hess im Grunde keine weitere Vervollstän-digung der Lehre zu.

Die speculative Philosophie dankte ab und Hess den praktischenBestrebungen das Feld. Epikur wollte dem Einzelnen nützen, undzwar durch seine Philosophie selbst; Hobbes suchte die ganze Gesell-schaft zu fördern, aber nicht durch seine Philosophie selbst, sonderndurch die aus ihr abgeleiteten Resultate. Bei Epikur ist die Beseitigungder Religion der wesentlichste Zweck; Hobbes braucht die Religion, undim Grunde müssen ihm diejenigen Bürger besser scheinen, welche demöffentlichen Aberglauben von Natur huldigen, als diejenigen, welche dazueine philosophische Vermittelung brauchen. Der Zweck des Glaubenswird für die Masse besser und billiger erreicht, wenn der Glaube sicheinfach von Generation zu Generation fortpflanzt, als wenn die einzelnenIndividuen erst durch Respekt vor der Autorität und Einsicht in dieNothwendigkeit derselben zur Regelung ihrer religiösen Vorstellungengelangen sollen.

Weiterhin ist aber auch die Philosophie für die gesammte Oeco-nomie des bürgerlichen Lebens überflüssig, sobald die Bürger das,was das Resultat derselben ist, auch ohne die Philosophie ausüben,d. li. sobald sie sich der Staatsgewalt in der Regel fügen, nur daunrevoltiren, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben, und in gewöhnlichenZeiten ihre ganze Kraft und Thätigkeit auf materielle Verbesserungihrer Lage, auf Erzeugung neuer Güter und Vervollkommnung be-stehender Einrichtungen verwenden. Da die Philosophie nur dazudient, dieses Verhalten als das beste und vortheilhafteste zu befördern,so wird es offenbar lediglich ersparte Arbeitskraft sein, wenn es ge-lingt, die Völker zu solchem Verhalten zu bewegen, ohne jedem Ein-zelnen die Lehren der Philosophie mitzutheilen. Nur für die Königeund ihre Rathgeber oder für die Spitzen der Aristokratie wird diePhilosophie von Werth sein, da diese dafür sorgen müssen, das Ganzein seiner Richtung zu erhalten.