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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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143
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Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.

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Diese zwingenden Folgerungen aus der Lehre unsres Hobbessehen in der That aus, als ob sie aus der neueren CulturgeschicliteEnglands einfach abstrahirt wären, so genau hat sich im Ganzen dieNation nach dem von Hobbes vorgezeichneten Bilde entfaltet. Diehöhere Aristokratie hat sich persönliche Freigeisterei, verbunden mitaufrichtiger (sollen wir sagen aufrichtig gewordener?) Hochachtunggegen die kirchlichen Institutionen Vorbehalten. Geschäftsleute be-trachten jeden Zweifel an den Wahrheiten der Religion als „unprak-tisch“; für das Für und Wider ihrer theoretischen Begründung scheinensie gar keinen Sinn zu haben, und wenn sie den „Germanism“ per-horresciren, so geschieht das weit mehr mit Bezug auf die festeOrdnung des diesseitigen, als mit Rücksicht auf die Erwartungdes jenseitigen Lebens. Frauen, Kinder und Gemüthsmenschen sindder Religion unbedingt hingegeben. In den untersten «Schichten derGesellschaft aber, für deren Niederhaltung das verfeinerte Gemüths-leben nicht eben erforderlich scheint, besteht wieder von der ganzenReligion fast nur die Furcht vor Gott und den Geistlichen. Die spe-culative Philosophie gilt als überflüssig, wo nicht gar schädlich. DerBegriff der Naturphilosophie ist in den der Physik (natural philosopky)übergegangen, und ein gemässigter Egoismus, der sich mit dem Christen-thum trefflich abgefunden hat, ist in allen Schichten der Gesellschaftals einzige Grundlage der Moral für den Einzelnen wie für den Staatvollständig anerkannt.

Wir sind weit entfernt, diese ganze originelle, aber in ihrer Artmustergültige Entwickelungsweise des neueren England auf den Ein-fluss eines Hobbes zurückzuführen; vielmehr ist es der lebendigeGrundzug der Natur dieses Volkes in dieser Entwickelungsstufe, esist der Inbegriff aller geschichtlichen und materiellen Verhältnisse,woraus beides, die Philosophie des Hobbes und die nachfolgendeWendung des Volkscharakters herzuleiten ist. Jedenfalls dürfen wiraber Hobbes in einem höheren Lichte erblicken, wenn wir so in seinerLehre die späteren Phänomene des englischen Volkslebens gleichsamprophetisch vorgebildet sehen. Die Wirklichkeit ist leicht paradoxerals irgend ein philosophisches System, und das thatsächliche Verfahrender Menschen birgt mehr Widersprüche in sich, als ein Denker selbstmit Kunst zusammenhäufen könnte. Dafür bietet uns das orthodox-materialistische England ein schlagendes Beispiel.

Wie es kam, dass die materialistische Denkweise in Frankreichzersetzend, in England consolidirend wirkte, ist allerdings schwer völlig