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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.

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oberflächlicher Leser fesselte und einen ausgedehnten Einfluss übte.Bayle diente der Oberflächlichkeit, ohne persönlich den Vorwurf der-selben zu verdienen. Als Mann von grossem Scharfsinn begnügte ersich nicht, den Satz aufzustellen, dass die Vernunft nur zur Zer-störung von Irrthümern da sei, sondern er handhabte auch dieseWaffe gegen Aberglauben und Vorurtheil mit grossem Erfolg. Vonseinen Behauptungen gehören besonders zwei ganz in den Kreis derZeitkämpfe: dass der Unglaube immer noch besser sei alsder Aberglaube, und dass ein Staat von Menschen denkbarsei, der ohne Glauben an Gott und die Unsterblichkeit derSeele bestände.

Der consequenteste und bedeutendste aller Skeptiker, DavidHu me, gehört freilich nicht Frankreich, sondern England an. Auchhier lässt sich bemerken, wie der Engländer mehr seine Thätigkeitder vollen, ruhigen Durchbildung seines Systems widmet, während beidem Franzosen das Unfertige, Gährende und daher Zersetzende inder Wirkung auf die Zeit mehr hervortritt, als der reine Grundgedankedes Systems. Uebrigens ist Hume einer späteren Periode, dem Ueber-gang auf Kant, zuzuzählen, und wenn wir in die Zeit zwischen Hobbesund De la Mettrie zurückgreifen, so finden wir in England vorwiegendFortbildner der materialistischen und sensualistischen Richtung.

Unter diesen ist vor Allen John Locke zu nennen, ein Mann,der auf den Charakter der beiden letzten Jahrhunderte einen tiefgreifenden Einfluss geübt hat. Für die Geschichte des Materialismusist er nicht Epoche machend. Er erscheint hier als Mittelglied zwischender strengen Systematik eines Gassendi und Hobbes und der volks-tlmmlichen, auf die unmittelbare Wirkung berechneten Thätigkeit derfranzösischen Encycloplädistön. Wenn man ihn dennoch vielfach geradeals den Urheber des neueren Materialismus bezeichnen hört, so beruhtdas theils auf der Verwechselung dieser Richtung mit dem empirischenSensualismus, den Locke ausbildete, theils darauf, dass der Einfluss,welchen Locke übte, in der That in mancher Beziehung dem neuerenMaterialismus mächtig vorarbeitete.

Wie Hobbes, so wurde Locke auf der Universität zu Oxford indie Philosophie eingeweiht; allein der Hass gegen die Scholastik,welcher bei Hobbes erst spät zum Durchbruch kam, bemächtigte sichseiner sofort. Er wandte sich der Medicin zu, und harmonirte indiesem Studium trefflich mit Sydenham, der damals eine ähnlicheReform der verwilderten Heilkunde von England aus anbahnte, wie

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