Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.
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Wie er durch einen einfachen Anlass — durch einen resultatlosenStreit einiger Freunde — auf die Frage nach dem Ursprung und denGrenzen der menschlichen Erkenntniss gekommen sein will, so bedienter sich auch allenthalben einfacher, aber durchschlagender Gesichts-punkte bei seinen Untersuchungen. Wir haben in Deutschland nochheutzutage sogenannte Philosophen, welche in einer Art von meta-physischer Tölpelhaftigkeit grosse Abhandlungen über die Vorstellungs-bildung schreiben — wohl gar noch mit dem Anspruch auf „exacteBeobachtung mittelst des inneren Sinns“ — ohne auch nur daran zudenken, dass es, vielleicht in ihrem eignen Hause, Kinderstuben giebt,in welchen man wenigstens die Symptome der Vorstellungsbildungmit seinen Augen und Ohren beobachten kann. Dergleichen Unkrautkommt in England nicht auf. Locke beruft sich in seinem Kampfgegen dieangebornen Vorstellungen auf Kinder und Idioten. Alle Un-gebildeten sind ohne Ahnung von unsern abstracten Sätzen, und dochsollen diese angeboren sein? Der Einwand, dass jene Vorstellungenzwar im Verstände seien, aber ohne dessen Wissen, bezeichnet er alswidersinnig. Eben das wird ja gewusst, was im Verstände ist. Auchkann man nicht sagen, dass die allgemeinen Sätze gleich mit demBeginn des Verstandesgebrauches zum Bewusstsein kämen. Vielmehrist die Erkenntniss des Speciellen früher. Längst bevor das Kind denlogischen Satz des Widerspruchs kennt, weiss es, dass süss nicht bitter ist.
Locke zeigt, dass der wirkliche Weg der Verstandesbildung derumgekehrte ist. Es finden sich nicht zuerst gewisse allgemeine Sätzeim Bewusstsein ein, die sich sodann durch die Erfahrung mit spe-ciellem Inhalte erfüllen, sondern die Erfahrung, und zwar die sinnlicheErfahrung ist der erste Ursprung unsrer Erkenntnisse. Zuerst gebenuns die Sinne gewisse einfache Ideen, ein Ausdruck, der bei Lockeganz allgemein ist und etwa das besagt, was die IIerbatianer „Vor-stellungen“ nennen. Solche einfache Ideen sind die Töne, die Farben,das Widerstandsgefühl des Tastsinnes, die Vorstellungen der Aus-dehnung und der Bewegung. Wenn die Sinne solche einfache Ideenhäufig gegeben haben, so entsteht die Zusammenfassung des Gleich-artigen und dadurch die Bildung der abstracten Vorstellungen. ZurEmpfindung (Sensation) gesellt sich die innere Wahrnehmung (Reflexion)und dies sind „die einzigen Fenster“, durch w r elche das Dunkel desungebildeten Verstandes erhellt wird. Auch die innere Wahrnehmungist sinnlicher Natur; denn der Satz nihil est in intellectu quod nonfuerit in senu hat für Locke fundamentale Geltung. Die Ideen der
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