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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.
Substanzen, der wechselnden Eigenschaften und der Verhältnisse sindzusammengesetzte Ideen. Wir kennen von den Substanzen im Grundenur ihre Attribute, welche aus einfachen Sinneseindrücken, als Tönen,Farben u. s. w. entnommen werden. Nur dadurch, dass diese Attributesich häufig in einer gewissen Verbindung zeigen, kommen wir dazu ;uns die zusammengesetzte Idee einer Substanz, welche den wechselndenErscheinungen zu Grunde liegt, zu bilden. Selbst Gefühle und Affecteentspringen aus der Wiederholung und mannigfachen Verbindung dereinfachen, durch die Sinne vermittelten Empfindungen.
Indem nun der menschliche Geist, der sich den Sinneseindrückenund auch der Bildung zusammengesetzter Ideen gegenüber bloss re-ceptiv verhält, dazu fortschreitet, die gewonnenen abstracten Ideendurch Worte zu fixiren und diese Worte nun willkürlich zu Gedankenzu verbinden, geräth er auf die Bahn, wo die Sicherheit der natür-lichen Erfahrung aufhört. Je weiter sich der Mensch vom Sinnlichenentfernt, desto mehr unterliegt er dem Irrthum, und die Sprache istdie wichtigste Trägerin desselben. Sobald die Worte als adäquateBilder von Dingen genommen, oder mit wirklichen anschaulichen Dingenverwechselt werden, während sie doch nur willkürliche-, mit Vorsichtzu gebrauchende Zeichen für gewisse Ideen sind, ist das Feld zahl-loser Irrthümer erschlossen. Lockes Vernunftkritik läuft daher in eineKritik der Sprache aus, die ihrem Grundgedanken nach wohl vonhöherem Werth ist, als irgend ein andrer Theil des Systems. In derThat ist die wichtige Unterscheidung des rein logischen und des psy-chologisch-historischen Elementes in der Sprache von Locke angebahnt,aber, von den Vorarbeiten der Linguistiker abgesehen, bisher kaumwesentlich gefördert worden. Und doch sind weit aus die meistenSchlüsse, welche in den philosophischen Wissenschaften überhaupt an-gewandt werden, logische Vierfüsser, weil Begriff und Wort beständigverwechselt werden. — Die alte materialistische Ansicht von derbloss conventioneilen Geltung der Worte verwandelt sich also beiLocke in das Streben, die Worte bloss conventioneil zu machen,weil sie nur in dieser Beschränkung einen sichern Sinn haben.
Von grossem Einfluss waren ferner Lockes Briefe über dieToleranz (1685—1692), die Gedanken über die Erziehung(1693), die Abhandlung über die Regierung (1689) und dasvernunftmässige Christenthum (1695); doch gehören alle dieseSchriften nicht in die Geschichte des Materialismus. Mit sieherm Blickhatte Locke den Punkt erkannt, wo die vererbten mittelalterlichen