Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.
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Institutionen faul waren: die Vermischung der Politik und der Religion unddie Verwendung der Staatsgewalt zur Behauptung oder Vertilgung vonAnsichten und Meinungen. Es ist selbstverständlich, dass mit Erreichungder Ziele, welche Locke erstrebte, mit der Trennung der Kirche vomStaat und mit der Einführung allgemeiner Toleranz in Sachen derLehrmeinungen, auch die Stellung des Materialismus eine andre werdenmusste. Das frühere Versteckenspielen mit der eignen Ansicht, welchessich bis tief in das achtzehnte Jahrhundert hinein fortsetzte, mussteallmählig schwinden. Der Deckmantel einfacher Anonymität wurde amlängsten beibelialten; allein auch dieser schwand, als anfangs dieNiederlande, später der Staat Friedrichs des Grossen den Freidenkernsicheres Asyl boten, bis endlich die französische Revolution dem altenSystem den Todesstoss versetzte.
Es wird eine mühsame aber nicht unfruchtbare Aufgabe zukünf-tiger Kritik sein, bei den Freidenkern dieser Zeiten annähernd fest-zustellen, wie weit in ihren Schriften ihre wahren und klaren Ansichtenenthalten sind, wie weit dagegen Concessionen an das Bestehendeoder auch subjective Unklarheiten vorwalten. So viel steht fest, dasseine grosse Zahl der englischen „Deisten“ ebenso gut den Namen derMaterialisten tragen könnte, und dass bei den Materialisten von mehroder weniger theologissher Färbung, wie Cudworth, Coward, Hartley,Priestley und andern die biblische Auflassung gewiss nicht durch-gängig echt ist. Während aber die Verfolgung dieser Verzweigungender materialistischen Strömung ausserhalb unseres Planes liegt, könnenwir doch nicht umhin, eines Mannes spezieller zu gedenken, der nichtnur in seiner Lehre alle Stufen vom Standpunkt der vernunftgemässenReligion bis zum offenen Materialismus vertritt, sondern der auch denallgemein bestehenden Unterschied zwischen den öffentlichen Aeusserungenund der wirklichen Meinung der Freidenker gradezu als berechtigt undnothwendig hinstellt.
John Toland, der als eines der Häupter der englischen Deistenbetrachtet wird, giebt in seinem Tetradymus (London 1720) eineAbhandlung, deren Titel schon Enthüllungen verspricht. Er nennt sieClidophorus, d. h. den Schlüsselträger. Nachdem er die Sitte deralten Philosophen erwähnt hat, die Lehre in eine exoterische undesoterische zu unterscheiden, von denen die erstere für das grossePublicum, die letztere aber nur für den eingeweihten Schülerkreisgalt, schaltet er im dreizehnten Kapitel der Abhandlung folgendeMittheilung ein: „Mehr als einmal habe ich angedeutet, dass die