Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.
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wird. Hobbes nimmt die Religion als zweckmässigen Aberglaubenauf; der Zukunft ist es vielleicht Vorbehalten, sie als eine dem inner-sten Wesen des Menschen entspriessende wohlthätige Poesie zu fassen:für Tolands unhistorische und prosaisch nüchterne Zeitgenossen musstegerade jene pantheistische Form als der einzig befriedigende Versucheiner Religion des Materialismus erscheinen. Die Uebereinstimmung derWissenschaft und des Cultus — ein Problem, welches die Alten siehniemals ernsthaft stellten, an dem jedoch das ganze christliche Mittel-alter sich vergeblich zerarbeitete — das ist auch Tolands Standpunkt,und von diesem Standpunkt aus betrachtet bleibt sein Pantheistikoneins der bemerkenswerthesten und bedeutendsten Denkmäler jener Zeit
Tolands materialistische Naturphilosophie ist schon in zwei Briefenan einen Spinozisten in Holland niedergelegt, welche den Lettersto Serena (London 1704) angehängt sind. Serena, deren Namendie Briefsammlung trägt, ist Sophie Charlotte, Königin von Preussen,deren Freundschaft mit Leibnitz bekannt ist, und die auch unsemToland, der längere Zeit in Deutschland lebte, huldreich aufgenommenund seine Ansichten mit Interesse gehört hatte. Die drei ersten, anSerena gerichteten Briefe der Sammlung sind allgemeineren Inhaltes;doch bemerkt Toland in der Vorrede ausdrücklich, dass er mit dererlauchten Dame auch über andere, weit interessantere Gegenständecorrespondirt habe, dass er aber von diesen Briefen keine Reinschriftbesitze und deshalb die beiden andern Briefe anfüge. Der erste der-selben enthielt eine Widerlegung Spinozas, welche von der Unmög-lichkeit ausgeht, nach Spinozas System die Bewegung und innereMannigfaltigkeit der Welt und ihrer Theile zu erklären. Der zweiteBrief trifft den Kernpunkt der ganzen materialistischen Frage. Er könntedie Ueberschrift „Kraft und Stoff“ tragen, wenn man nicht die wirk-liche Ueberschrift „Bewegung als wesentliche Eigenschaft der Materie"(Motion essential to matter) noch deutlicher nennen müsste.
Wiederholt haben wir gesehen, wie tief der alte Begriff der Ma-terie als einer todten, starren und trägen Substanz in alle metaphy-sischen Fragen eingreift. Diesem Begriff gegenüber hat der Materia-lismus einfach recht. Es handelt sich hier nicht um verschiedenegleich wohl begründete Standpunkte, sondern um verschiedene Gradeder wissenschaftlichen Erkenntniss. Wenn auch die materialistischeWeltanschauung noch einer ferneren Läuterung bedarf, so wird diese 1doch niemals rückwärts führen können. Als Toland seine Briefe schrieb,hatte man sieh bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert an