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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.

die Atomistik Gassendis gewöhnt; die Undulationstheorie von Huygltenshatte einen tiefen Blick in das Leben der kleinsten Theile eröffnet,und wenn auch erst siebzig Jahre später durch Priestleys Entdeckungdes Sauerstoffs das erste Glied der endlosen Kette der chemischenVorgänge erfasst wurde, so war doch das Leben der Materie bis indie kleinsten Theile erfahrungsmässig festgestellt. Newton, der vonToland stets mit grösster Hochachtung erwähnt wird, hatte zwardurch die Annahme des ursprünglichen Stosses und durch die Schwach-heit, mit der er eine zeitweise Naehhülfe des Schöpfers für den Gangseiner Weltenmaschine in Anspruch nahm, der Materie eine gewissePassivität gelassen; allein Newton hatte doch einmal den Gedankendes grossen Kepler, dass die Himmelskörper sich nach denselben Ge-setzen bewegen, welche den irdischen Fall regieren und so im Grossenund Kleinen durch das Weltall walten, durch sein unvergleichlichesmathemathisches Genie bestätigt und zur Evidenz gebracht, und dieserGedanke emancipirte sich bald selbst von dem eitlen Flickwerk, dasder theologisch befangene Sinn Newtons ihm angehängt hatte. DieWelt der Gravitation lebte in sich, und es ist nicht zu verwundern,dass die Freigeister des achtzehnten Jahrhunderts, Voltaire an derSpitze, sich als die Apostel der Newtonschen Naturphilosophie be-trachteten.

Toland geht, gestützt auf Andeutungen Newtons, zu der Behaup-tung über, dass kein Körper in absoluter Kühe ist; ja, in tiefsinnigerAnwendung des altenglischen Nominalismus, der diesem Volk für dieNaturphilosophie einen so grossen Vorsprung verlieh, erklärt er schonActivität und Passivität, Kühe und Bewegung für bloss relative Be-griffe, während die ewige innere Thätigkeit der Materie in gleicherKraft walte, wenn sie einen Körper andern Kräften gegenüber ver-gleichsweise in Ruhe hält, als wenn sie ihm eine beschleunigte Be-wegung verleiht.

„Jede Bewegung ist passiv in Beziehung auf den Körper, welchersie giebt und activ in Beziehung auf den Körper, welchen sie dem-nächst bestimmt. Nur der Umstand, dass man die relative Bedeutungsolcher Wörter in eine absolute verwandelt, hat die meisten Irrthtimerund Streitigkeiten über diesen Gegenstand veranlasst.“ Unhistorisch,wie seine meisten Zeitgenossen, verkennt Toland, dass die absolutenBegriffe naturwüchsig sind, die relativen dagegen erst ein Productder Bildung und der Wissenschaft. „Die Bestimmungen der Bewegungin den Theilen der festen und ausgedehnten Materie bildet das, was