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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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155
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Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.

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mit Recht als ein befreiendes Element betrachtet, eine gewisse demo-kratische Natur der höheren Bildung sich in Deutschland schon frühegeltend macht. Das Land, welches schon mitten zwischen den eifrig-sten Confessionsstreitigkeiten des sechzehnten Jahrhunderts den ganzunbekannt gebliebenen Verfasser des Buches „Von den drei Betrügern“liervorbrachte, gab den Gedanken der Engländer, die zu Hause aufexclusive Kreise beschränkt blieben, eine breite Basis in der zahl-reichen Schicht der Deutschen, welche zwar durchaus keine Weltbildung,wohl aber eine vergleichsweise sehr tüchtige Schulbildung erlangt hatten.Ein merkwürdiges Zeugniss für diese geheime Vorgeschichte der deut-schen Geistesfreiheit liefert uns denn auch ein Werkchen, welches ganzin die Geschichte des Materialismus fallt, und das wir um so lieberhier mit einiger Ausführlichkeit behandeln, da es selbst von denneuesten Literarhistorikern noch nicht gewürdigt und den meistenwohl kaum' recht bekannt geworden ist.

Es ist dies der seiner Zeit so viel besprochene Briefwechselvom Wesen der Seele, der seit 1713 in einer Reihe von Auflagenerschien, in Gegenschriften und Recensionen bekämpft wurde, undsogar einen Jenenser Professor veranlasste, das winzige Büchlein ineiner eigens dazu angesetzten Vorlesung zu bekämpfen. Es bestehtaus drei, dem Anschein nach von zwei verschiedenen Autoren ver-fassten Briefen, wozu in der dem Verfasser bekannt gewordenen Aus-gabe von 1723 noch ein ausführliches Vorwort eines Dritten kommt, derdiese Auflage als die vierte bezeichnet und beiläufig der allgemeinen Ver-wunderung darüber Ausdruck giebt, dass die früheren Auflagen nicht con-fiscirt worden seien. Weller nennt in seinem Wörterbuch der Pseudo-nymen J. C. Westphal, einen Arzt aus Delitzsch, und J. D. Hocheisei(Hocheisen, Adjunkt der philosophischen Facultät zu Wittenberg?) alsdie Verfasser dieses Briefwechsels. Im vorigen Jahrhundert hielt mansonderbarerweise die beiden Theologen Röschei und Bücher für die Ver-fasser, von denen der letztere ein leidenschaftlicher Orthodoxe war, dersich gewiss nicht mit einem „Atheisten“ — so nannte man damals auchCartesianer, Spinozisten, Deisten u. s. w. — auf einen Briefwechseleingelassen hätte. Röschei, der zugleich Physiker war, könnte, wennman innern Gründen folgen will, den zweiten (antimaterialistischen)Brief w r ohl geschrieben haben. Wer aber der eigentliche Materialistwar (Verfasser des ersten und dritten Briefes) bleibt danach nochimmer zweifelhaft. Das Schriftchen ist, der traurigen Zeit seiner Ab-fassung entsprechend, in entsetzlichem Stil, deutsch mit lateinischen