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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.
und franzüsichen Brocken vermengt, geschrieben, und verrätli einenwitzigen Geist und gründliches Denken. Dieselben Gedanken in einerclassischen Form und unter einer Nation von geschlossenem Selbst-vertrauen würden vielleicht ein ähnliches Aufsehen erregt haben, wiedie Schriften eines Voltaire; allein die Form bezeichnet hier geradeden Nullpunkt des Werthes der deutschen Prosa, die Zeit der Ab-fassung war eine solche, wo alle vornehmeren Freidenker ihre Weis-heit aus dem französischen Bayle holten, und nach einigen begieriggelesenen Ausgaben verhallte die Stimme des Deutschen. Der Verfasserwar sich dieser Lage der Sache wohl bewusst, denn er bemerkt:„Dass ich diese Briefe teutsch concipiret, solches wird man mir nichtvor übel halten, weil ich sie nicht Aeternitati gewidmet wissen wollte.“Der Verfasser hat den Hobbes, jedoch, wie er sagt, „in einer andernAbsicht“ gelesen; von den französischen Aufklärern konnte er nochnichts wissen. Im Jahre 1713, als das Büchlein erschien, wurde Di-derot geboren, und Voltaire wanderte als neunzehnjähriger jungerMensch zum erstenmale wegen satirischer Gedichte gegen die Regierungin die Bastille. Nachdem der Herausgeber der Ausgabe von 1723 ineiner Einleitung zu seinen Briefen die Irrthümliclikeit aller älteren Phi-losophie mit sammt der Cartesischen hervorgehoben und gezeigt hat, wiedie Physik neuerdings der Metaphysik den Rang abgelaufen, erwägt erdie allgemeine Controverse, ob man nun noch ferner mit der altenüberlebten Autorität alle neuen Ideen solle'zu Bo|den schla-gen, oder widersprechen. „Etliche rathen, man solle sich juxtacaptum vulgi erronei richten und Peter Squentzen mit spielen. Andereaber protestiren sollenniter, und wollen par tont Märtyrer vor ihre ein-gebildete Wahrheiten werden. Ich bin zu ungeschickt, das Wage-züuglein in dieser Controvers zu sein; doch meinem Bediinken nachschiene es probabel, dass durch tägliche Abmahnung der gemeineMann allgemach würde klüger werden; denn nicht vi, sed saepe ca-dendo (Experientia teste) cavat gutta lapidem; dabei ich auch nichtleugnen kann, dass die praejudicia nicht nur beim Laico, sondernauch wohl bei den so genannten Gelehrten ziemlich schwer wiegen,und sollte es noch viele Mühe kosten, diese tief eingefressene Wurzelaus der Leute Köpffen zu graben, weil das Pythagorische alros apaein zum Faullentzen herrliches Mittel, ja ein vortrefflicher Mantel,womit mancher Philosophus den Ignoranten bis auf die Klauen be-decken kann. Sed manum de tabula. Genug ists, dass wir in allenunsern Auctionibus hessliehe, ja selavische Praejudicia Auloritatis hegen.