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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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157
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Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.

157

„Dass ich aber unter tausenden eines erwehne, so kann es unsereSeele sein. Was hat das gute Mensch nicht schon für Fata gehabt,wie offt hat sie müssen in dem menschlichen Leibe herum marschieren.Und wie viel wunderliche judicia von ihrem Wesen haben sich in derWelt ausgebreitet. Bald setzet sie einer in cerebrum, da setzen sieihm viele andere nach. Bald setzet sie einer in die glandulam pi-nealem, und dem folgen auch nicht wenige. Wieder andern scheintdieser Sitz zu enge, und gar recht. Sie könnte nicht, wie sie, beieiner Kanne Coffee l’ombre spielen. Darum postieren sie sie in quam-vis Corporis partem gantz, und in toto Corpore gantz: und ob gleichdie Vernunft leicht begreifft, dass so viele Seelen in einem Menschensein müssten, als Puncta an ihm sind, so finden sich doch viel Affen,die es auch so machen, quia aviog, ihr seliger Herr Präceptor, der75 Jahr alt, und 20 Jahr Rector scholae dignissimus, diss vor dieprobabelste Sentenz hielt.

„Noch andre setzen sie ins Ilertze und lassen sie sich im Bluteherum schwemmen; bei andern muss sie ins Ventriculum kriechen; ja beieinem andern muss sie gar ein barmhertziger Thürhüter des unruhigenHinter-Castells abgeben, wie die Aspectio der Bücher sattsam zeiget.

„Noch thümmer aber ists, wenn sie von dem Wesen der Seelereden; ich,mag nicht sagen, was ich vor Gedanken habe, wenn ichdie unreiffe Geburt beym Herrn Commenio, salvo houore, Orbe picto,aus lauter Puncten bestehend sehe, ich dancke Gott, dass ich nichtmit spiele, und so viel Unrath im Leibe habe.“

Dr. Aristoteles würde im examen rigorosum Baccalaureale selbstnicht wissen, wie er seine Entelechie zu erklären habe, und Hermo-laus Barbaras würde nicht wissen, ob er seine rectiliabea mit einerBerlinischen Nachtlaterne oder einer Leipziger Wächterschnurre ver-deutschen sollte. Andre, die sich mit dem heidnischen Wort tntliyjiiakeine Würm’ ins Gewissen setzen wollen, lassen die Seele, um dochauch etwas zu sagen, ein qualitas occulta sein. „Weil nun ihre Seeleeine qualitas occulta, so wollen wir ihnen selbe occultam lassen, weilihre Definition nicht zu verachten, massen sie die Kraft hat, sichselbst zu refutieren.“

„Wir wenden uns vielmehr zu denen, die Christlicher zu reden,und mit der Bibel einzustimmen gedenken. Bei diesen geistreichenLeuten nun heisst die Seele ein Geist. Das lieist, die Seele heisstetwas, was wir nicht wissen, oder was vielleicht nichts ist.“

Der materialistische Verfasser des ersten Briefes erklärt uns hin-