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Erstes Buch. Dritter Abschnitt.
länglich, wie er zu seinem Gedankengang gekommen sei. Weil ersah, dass die Physiologen und mit ihnen die Philosophen, die ver-wickelteren Functionen des Menschen auf die Seele schieben, als obman der ohne Weiteres Alles Zutrauen dürfte, so begann er, um hinterdie Natur solcher Functionen zu kommen, die Handlungen der Thieremit denen der Menschen zu vergleichen. „Da nun,“ sagt er, „dieAenlichkeit in denen affectionibus animalium et brutornm etliche neuePhilosophos auf die Meinung gebracht, dass die bruta gleichfalls eineanimam immaterialem hätten, so gerieth ich auf den Gedanken, dass,da die neuen Philosophen zu diesem Entschluss gekommen sind, diealten aber ohne dergleichen Seele die actiones brutorum explicirethätten, ob es nicht auch angelten könnte, dass man die actiones ho-minis ohne einige Seele zu Werke richten könne.“ Er zeigt darauf,dass im Grunde fast alle alten Philosophen die Seele nicht in unseremSinne für eine materielle Substanz gehalten hätten; die forma der Aristo-telischen Philosophie definiere Melanchthon ganz richtig als ipsam reiexaedificationem, Cicero habe sie als eine beständige Bewegung (wSeM/sta)gefasst, „welche Bewegung aus der disponierten und aptier-ten Leibesstructur folget, und also ein wesentlich Stückehominis viventis, nicht realiter, sondern nur in mente con-cipientis divisa est.“ Auch die heilige Schrift, die Kirchenväterund verschiedene Secten werden herangezogen. Unter Andern eine1568 zu Krakau gedruckte Thesis der Wiedertäufer: „Wir läugnen,dass irgend eine Seele nach dem Tode bleibe.“ Seine eignen Ansichtensind etwa folgende.
Die Functionen der Seele, Einsicht und Wille, welche gewöhnlichunorganisch (d. h. nicht organisch) genannt werden, gründen sich aufEmpfindung. Der „processus intelligendi“ geschieht folgendennassen: iWenn das organum sensus, sonderlich visus und auditus auf das ob- |jectum gerichtet wird, so geschehen unterschiedne Bewegungen derFasern des Gehirnes, die ja allemal in einem Sinnesorgan endigen.Diese Bewegung im Gehirn ist mit der, durch welche Strahlen aufdas Blatt einer camera obscura fallen und ein gewisses Bild formiren,einerlei, da doch jenes Bild nicht in Wirklichkeit auf dem Blatte ist,sondern im Auge entsteht. Wie nun die Fasern der Netzhaut erregtwerden, so pflanzt sich diese Bewegung im Gehirn fort, und bildetdort die Vorstellung. Die Combination dieser Vorstellungen aber ge-schieht durch Bewegung der feinen Hirnfasern, auf dieselbe Art, wiedurch die Bewegungen der Zunge ein Wort gebildet wird. Bei dieser