Der Materialismus des siebzehnten Jahrhunderts.
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Entstehung der Vorstellungen hat das Princip statt: Nihil est in in-tellectu, quod non prius fuerit in sensu. Es würde ein Mensch nichtswissen, wenn ihm nicht seine Hirnfasern durch die Sinne zurecht ge-rückt würden. Und dieses geschieht durch Unterricht, Uebung undGewohnheit. Wie der Mensch in seinen äusseren Gliedern Aehnlich-keit mit seinen Eltern zeigt, so muss man sich dies auch hinsichtlichder inneren Theile vorstellen.
Der Verfasser, der sich über die Theologen oft unverholen lustigmacht, hütet sich dennoch bei seinen ganz materialistischen Ansichtenvom Menschen mit der Theologie in einen gar zu schroffen Conflictzu gerathen. Er philosophirt daher über das Universum und seinVerhältniss zu Gott durchaus nicht. Da er an verschiedenenen Stellenden Begriff einer immateriellen Substanz offen genug verwirft, so liegtein Widerspruch darin, dass er auf eine Ausdehnung seines Principsauf die ganze Natur nicht bedacht war. Ob dies nun wirkliche In-consequenz ist, oder nach dem Princip „gutta cavat lapidem“ so ge-halten, wissen wir nicht. Er folgt in seinen theologischen Ansichtenangeblich dem Engländer Cudworth, d. h. er nimmt eine Erweckungder Seele mit sammt dem Leibe am jüngsten Tage an, um dem Kirchen-glauben gerecht zu werden. So erklärt er denn auch Gott für denUrheber einer vollendeten Gehimconstruction der ersten Menschen,die durch den Sündenfall eben so verdorben wurde, wie wenn einerdurch eine Krankheit sein Gedächtniss verliert.
Der Ausschlag des Willens beim Handeln folgt allemal dem stär-*keren Antrieb und die Lehre von der Willensfreiheit taugt gar nichts.Die Willensantriebe sind zurückzuführen auf die Affecte und auf dasGesetz. Man könnte vielleicht denken, dass so viele Bewegungen imGehirn nothwendig Confusion hervorbringen müssen, allein man bedenkedoch, wie viele Aetherstrahlen sich durchkreuzen müssen, um uns dieBilder zuzuführen, und wie doch die zusammengehörigen allezeiteinander finden. Wenn unsre Zunge unzählige Wörter aussprechenund Reden fonniren kann, warum sollen die Gehirnfasern nicht nochmehr Bewegungen machen können? Dass Alles auf diese ankömmt,sieht man insbesondere aus den Delirien. So lange das Blut tumul-tuirt und die Fasern daher ungleich und confus bewegt werden, istdas Rasen da; geschieht aber eine solche confuse Bewegung ohne Fieber,so entsteht Manie. Dass sogar durch das Blut fixe Ideen eingeführtwerden können, wird bewiesen aus der Hundswuth, dem Tarantel-stich u. s. w.