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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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165
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Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.

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Denkens widerspreche, hatte Locke die ziemlich oberflächliche Be-merkung fallen lassen, es sei gottlos, zu behaupten, dass eine denkendeMaterie unmöglich sei; denn wenn Gott gewollt hätte, hätte er dochvermöge seiner Allmacht auch die Materie denkend erschaffen können.Diese theologische Wendung der Sache gefiel Voltaire; denn sie ver-sprach einen erwünschten Anhaltspunkt zu Händeln mit den Gläubigen.Voltaire dachte sich in diese Frage mit solchem Feuer hinein, dasser sie nicht mehr mit Locke unentschieden liess, sondern vorüber-gehend wirklich Materialist wurde.

„Ich bin Körper,“ sagte er in seinen Londoner Briefen überdie Engländer, „und ich denke; mehr weiss ich nicht. Werdeich nun einer unbekannten Ursache zuschreiben, was ich so leichtder einzigen fruchtbaren Ursache, die ich kenne, zuschreiben kann?In der That, wer ist der Mensch, der ohne eine absurde Gottlosigkeitversichern dürfte, dass es dem Schöpfer unmöglich ist, der MaterieGedanken und Gefühle zu verleihen?“

Wie aber der Materialismus bei Voltaire nur gelegentlich alsWaffe erscheint, so ist er in dieser Zeit auch da, wo er auf seinereignen Basis ruht und consequent durchgeführt wird, doch nie ohneBeziehungen auf den grossen Kampf der Zeit. Ja, der consequentesteder französischen Materialisten, De la Mettrie, zieht sogar denKampf gegen die Fesseln der Sittlichkeit mit in den Bereich seinesStrebens. Dieser Umstand, verbunden mit der dreisten Absichtlichkeit,mit der er den Menschen schon im Titel seines Hauptwerkes als„Maschine“ hinstellt, hat wohl vorzüglich dazu beigetragen, den NamenDe la Mettries zu einem Schreckbild zu machen, bei dem auch dietolerantesten Schriftsteller keinen günstigen Zug mehr anerkennenwollen, und dessen Verhältniss zu Friedrich dem Grossen als ganzbesonders ärgerlich betrachtet wird. Und dennoch war De la Mettrie,trotz seiner cynischen Schrift über die Wollust und trotz seines Todesin Folge unmässigen Verschlingens einer Pastete, wie uns scheinenwill, eine edlere Natur als Voltaire und selbst als Rousseau; freilichauch ungleich schwächer als diese zweideutigen Heroen, deren gährendeKraft das ganze achtzehnte Jahrhundert bewegte, während De la Met-tries Wirksamkeit auf einen ungleich engeren Raum beschränkt blieb.

De la Mettrie könnte also vielleicht der Aristipp des neueren Ma-terialismus genannt werden; allein die Wollust, welche er als Zweckdes Lebens schildert, verhält sich zu Aristipps Ideal wie eine StatuePoussins zur me>diceisehen Venus. Seine berüchtigtsten Erzeugnisse