Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.
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Um Boerliaave war damals, obgleich er bereits nicht mehr las,eine seltne Schule strebsamer junger Aerzte versammelt. Die LeydenerUniversität bildete einen Mittelpunkt medicinischer Studien, wie ervielleicht nie wieder bestanden hat. Um Boerhaave selbst schartensich seine Schüler mit einer unbegrenzten Verehrung. Der grosseRuf dies Mannes hatte ihm bedeutende Reichthümer erworben, zwischendenen er so schlicht und einfach lebte, dass nur seine grosse Wohl-thätigkeit und Freigebigkeit Zeugniss davon gab. Man rühmte ausserseiner eminenten Lehrgabe vornehmlich seinen Charakter, sogar seineFrömmigkeit, obwohl er in dem Rufe des Atheismus gestanden undseine theoretischen Ansichten schwerlich jemals geändert hatte. AuchBoerhaave nämlich, wie De la Mettrie, hatte mit der theologischenLaufbahn begonnen, die er wegen seiner unverholenen Anhänglichkeitan die Spinozistische Philosophie hatte verlassen müssen; denn Spino-zisrnus galt den Theologen für Atheismus.
Zur Medicin übergegangen war der gediegene, durchaus auf dasPositive gerichtete Geist des grossen Meisters weit entfernt davon, aufGrund seiner naturalistischen Weltanschauung mit den Vertretern andrerPrincipien Händel zu suchen. Ihm genügte sein Wirken und Streben,aber dennoch kann seine ganze Richtung der Verbreitung materia-listischer Anschauungen unter seinen Schülern nur günstig gewesen sein.
Frankreich war damals in der Medicin im Verhältniss zu England,den Niederlanden und Deutschland entschieden zurück. Daher unter-nahm De la Mettrie eine Reihe von Uebersetzungen BoerliaavescherWerke, um einer bessern Methode Eingang zu verschaffen; einige eigeneSchriften folgten, und bald war er mit den unwissenden Autoritätenvon Paris in bittre Händel verwickelt. Unterdessen practicirte ermit grossem Erfolg in seiner Vaterstadt, zugleich unablässig mit dermedicinischen Literatur beschäftigt. Der positive Geist seines Lehrerswich nicht sobald, und obschon er bei seiner sanguinischen Unruhebereits medicinische Händel zur Genüge hatte, so liess er doch diePhilosophie nicht ruhen.
Im Jahre 1742 kam er nach Paris und erhielt dort durch ein-flussreiche EinfehIungen eine Stelle als Militärarzt bei der Garde. Alssolcher machte er einen Feldzug in Deutschland mit, und dieser Feld-zug entschied über seine zukünftige Richtung. Er wurde nämlichvon einem hitzigen Fieber befallen, und benutzte diese Gelegenheit,um über den Einfluss der Blutwallungen auf das Denken an sichselbst Beobachtungen anzustellen. Er kam zu dem Resultate, dass das