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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.
Denken nichts sei, als eine Folge der Organisation unserer Maschine.Von diesem Gedanken erfüllt, versuchte er wahrend seiuer Genesungmit Hülfe der Anatomie die geistigen Functionen zu erklären, und erliess seine Vermuthungen unter dem Titel einer Naturgeschichteder Seele drucken. Der Regimentsfeldprediger schlug Lärm, und balderhob sich wider ihn ein allgemeiner Schrei der Entrüstung. SeineBücher wurden als ketzerisch erkannt, und er konnte nicht fernerArzt der Garde sein. Unglücklicher Weise hatte er sich um dieselbeZeit verleiten lassen, einem Freunde zu Liebe, der gerne Leibarzt desKönigs w r erden wollte, auf die Concurrenten desselben, die berühm-testen Pariser Aerzte, eine Satire zu schreiben. Vornehme Freunderiethen ihm, sich dem allgemeinen Kachebedürfniss zu entziehen, under floh im Jahre 1746 nach Leyden. Hier schrieb er sofort einezweite Satire auf die Charlatanerie und Unwissenheit der Aerzte, undbereits im folgenden Jahre (1747) erschien seine homme machine.
Die Naturgeschichte der Seele beginnt damit, zu zeigen, dassnoch kein Philosoph, von Aristoteles bis auf Mallebranche, uns vomWesen der Seele habe Rechenschaft geben können. Das Wesen derMenschen- und der Thierseele wird stets so unbekannt bleiben, wiedas Wesen der Materie und der Körper. Die Seele ohne Körper istwie die Materie ohne alle Form; man kann sie nicht begreifen. Seeleund Körper sind zusammen, und in demselben Augenblick gebildetworden. Wer daher die Eigenschaften der Seele erkennen will, mussvorher diejenigen des Körpers studiren, dessen Lebensprincip dieSeele ist.
Diese Betrachtung führt darauf, dass es keine sichereren Führergiebt, als die Sinne: „Das sind meine Philosophen.“ Wie sehr mansie auch schmähen möge; auf sie muss man doch immer zurück-kommen, sobald man die Wahrheit ernsthaft erkennen will. Unter-suchen wir daher redlich und unpartheiisch, was unsere Sinne entdeckenkönnen, an der Materie, an den Körpern und besonders an den Or-ganismen; aber ohne etwas zu sehen, was nicht da ist! Die Materieist für sich passiv; sie hat nur eine Kraft der Trägheit. Wo wirdaher Bewegung sehen, müssen wir dieselbe auf ein bewegendes Prin-cip zurückführen. Finden wir daher im Körper ein bewegendes Princip,welches macht, dass das Herz schlägt, dass die Nerven empfindenund dass das Gehirn denkt, so werden wir dieses als Seele be-zeichnen.
Diese Sätze sind im allgemeinen Verstände noch gar nicht ma-